Freitag, 18. August 2017

Hund, Leine, Fahrrad und Geschwindigkeit. Gute Beschäftigung oder dumme Idee?

Da war sie wieder. Diese Szene die ich schon „ich weiß nicht wie oft“ gesehen habe. Und über die ich mich jedes Mal nicht nur ärgere. Nein, sie macht mich wütend – zum einen, weil dort ein Hund definitiv schlecht behandelt wird. Und zum anderen, weil ich mich über die eigentlich unglaubliche geistige Fehlleistung des Hundehalters aufrege.


In der Leine hängend vorbeigerauscht
Um welche Szene es geht? Nun, wenn ein Fahrrad im wahrsten Sinne des Wortes an einem vorbeirauscht – mit einem Hund, wieder im exakten Sinne des Wortes, röchelnd in der Leine und im Halsband hängend. Einer Leine und einem Halsband, die in diesem Fall eins waren. Es war eine so genannte „Retrieverleine“. Ein im Grunde recht dünnes Seil, welches mit seiner Schlaufe dem Hund schnell angelegt und abgenommen werden kann. Der Sinn kommt aus dem Jagdwesen – für den normalen Hund beim Gassigang ist der Sinn recht fragwürdig. Und ich klicke den Karabiner der Hundeleine genauso schnell an die Öse eines Geschirrs, wie Retrieverleinen-Hundehalter dieses Seil über den Kopf des Hundes streifen.
Ein Lebewesen, kein Anhänger

Aber davon mal abgesehen mag ich es grundsätzlich nicht, wenn Hunde in hohem Tempo mit Leine an einem Fahrrad mitlaufen müssen. An Halsband oder der noch schlimmeren Seilleine ist es noch eine Stufe schlimmer, weil alle auftretenden Kräfte und Belastungen konzentriert an einer Stelle des empfindlichen Halses wirken. Aber auch am Geschirr ist es nicht in Ordnung. Warum? Eigentlich sollte diese Frage ein vernunftbegabtes Lebewesen, wie der Mensch es ja sein will, nicht stellen. Trotzdem möchte ich es einmal aus meiner Sicht kurz erläutern: Ein Hund ist ja nun mal keine Maschine, kein Anhänger, der auf Rädern rollt. Unzählige körperliche Reaktionen können ihn blitzartig dazu zwingen, sofort mit dem Laufen aufzuhören.
Verletzungen, Anhalteweg usw.
Er kann in irgendetwas hineintreten, was eine Verletzung hervorruft und sehr schmerzhaft sein kann. Er kann Bänderrisse erhalten, er kann sich etwas brechen, er kann hinfallen und mitgeschleift werden, er kann Herzprobleme, Atemprobleme, Unwohlsein, Magenschmerzen, Muskelschmerzen, Sehnen- und Bänderprobleme und und und bekommen. Viele Hunde laufen dann weiter, unterdrücken die Schmerzen. Andere machen sich direkt bemerkbar, aber bis der Radfahrer es bemerkt kann schon eine Zeit und vor allem eine Wegstrecke vergangen sein. Wie gesagt, ein Hund ist kein Anhänger, sondern ein Lebewesen. Ihn in hohem Tempo angebunden (!) am Fahrrad laufen zu lassen, ist für mich in jedem Fall dazu geeignet, mich wütend werden zu lassen und mich über die Kurzsichtigkeit in einfachen Logikfragen des Menschen zu wundern. Oder kurz gesagt über die menschliche Blödheit zu wundern. Achja, den Stressfaktor, der auf diese Hunde wirkt, lasse ich hier mal unerwähnt – obwohl er im Grunde sehr wichtig wäre und auf sehr vielen Ebenen das Hundeverhalten beeinflusst. Darüber aber später mal mehr. Hier erstmal der Hinweis, dass Hunde am Fahrrad, angebunden und mit hoher Geschwindigkeit, keine übermäßig intelligente Idee ist. Und mit diesem Lassoseil, oder auch Retrieverleine genannt, erst recht nicht. Ich werde mir mal ein echtes Lasso zulegen und diesen Radfahrer bei nächster Gelegenheit von seinem Fahrrad holen. Bei voller Geschwindigkeit. Dumme Idee, weil er sich verletzen könnte? Klar. Aber ich bin ja auch ein Mensch. Und Menschen haben dumme Ideen…

Samstag, 12. August 2017

Ein Hund ist kein Wolf? Ein Hund ist nicht einmal ein Hund…

Klar, es gibt Rasseeigenschaften, die bei den Individuen einer Rasse gleich, bzw. ähnlich sind. Die machen bei jedem Individuum aber nur einen Teil seines Wesens aus. Bei Hunden sind so viele Eigenschaften ihrer wilden Vorfahren verstärkt und / oder gehemmt worden, dass ein Überblick schwerfällt.


Eigenschaften unterschiedlich verstärkt
Vor allem, weil nicht alle Eigenschaften bei jeder Rasse gleich verstärkt wurden. Jagdverhalten wurde bei einigen Rasen bis ins Uferlose verstärkt, bei anderen abgeschwächt. So ist es mit vielen Verhaltensweisen. Und dann wurden Hunde mit so unterschiedlich verstärkten Verhaltensmustern gekreuzt, haben sich selbst vermischt und es geht immer so weiter – neue Rassen, die „Familientauglich“ sein sollen etc. Wir Menschen haben so viel am Verhalten des Wolfes herumgepfuscht, soviel davon vermischt, dass es im Grunde falsch ist, von DEM Hund zu sprechen.
Forschungen an DEM Hund?
Zwar forscht man sich im Moment im wahrsten Sinne des Wortes „den Wolf“ um den Hund zu verstehen. Das ist menschlich, wir brauchen Erklärungen, wir Kategorisieren unsere Umwelt. Das ist eine unserer Strategien, mit der Welt klarzukommen. Vielleicht ist das aber speziell auf den Hund bezogen die völlig falsche Strategie, um ihn zu verstehen. Es kann ihn, wie gesagt nämlich nicht geben. DEN Hund, DAS Hundeverhalten. Klar, wie auch schon erwähnt gibt es Rasseeigenschaften und einige „Grundmuster“ die in der Tierfamilie und speziell im Wolf begründet liegen. Aber durch unser Dauerrumpfuschen an den angeborenen Verhaltensweisen, ist die individuelle Bandbreite beim Hund dermaßen groß, wie bei wohl keiner anderen Tierart. Auch nicht beim Menschen. DER Hund existiert einfach nicht.
Pauschale Wahrheiten hinterfragen
Wir sollten daher vielleicht dazu übergehen, pauschale Einordnungen von Hunden, sowie pauschale Methoden und „Wahrheiten“ kritisch zu hinterfragen. Und uns auf etwas anderes konzentrieren. Auf den individuellen Hund. Wie wir das machen sollen? Individuell natürlich, nicht pauschal 😉

Hundesymposium


Ein sehr gutes Programm in diesem Jahr. Wirklich empfehlenswert. Ich versuche auch, zumindest einen Tag dort zu sein. Vielleicht eine gute Gelegenheit, "alte Bekannte" zu treffen 😊
http://www.animal-learn.de/symposium.html

Hund, Leine, Fahrrad und Geschwindigkeit. Gute Beschäftigung oder dumme Idee?

Da war sie wieder. Diese Szene die ich schon „ich weiß nicht wie oft“ gesehen habe. Und über die ich mich jedes Mal nicht nur ärgere. Nein, ...