Montag, 12. Juni 2017

Wenn der Hund das Menschenrudel führt


Es gibt im Tierreich viele Symbiosen unterschiedlicher Tierarten. Gekennzeichnet sind diese Symbiosen meist mit leicht erkennbarem gegenseitigem Nutzen. Zu nennen sind da als Beispiel  Vögel, die verschiedenen Huftieren dabei helfen, ihre Parasiten loszuwerden. Es gibt aber auch Symbiosen, oder hier besser „Lebensgemeinschaften“ verschiedener Arten, die vielleicht überraschend wirken mögen. Zum Beispiel wird beobachtet, dass sich manchmal Dachse und Füchse eine Bauanlage teilen. Den gegenseitigen Nutzen kann man nur in Theorien erkennen – vermutlich nutzen die eher faulen Füchse die Bauanlagen der Dachse um sich selbst keine Baue graben zu müssen. Und die Dachse profitieren von der Wachsamkeit des Fuchses. Ebenso, was noch erstaunlicher scheint, teilen sich manchmal Füchse und Kaninchen Bauanlagen. Die jeweilige Fuchsfamilie frisst dabei „ihre“ Kaninchen nicht. Auch hier sorgt vermutlich wieder der gegenseitige Nutzen aus buddelfreudigen Kaninchen und „Wachhund“ Fuchs für die Win-win-Situation. Es gibt noch unzählige weitere Lebensgemeinschaften unterschiedlicher Arten – man könnte hier noch Krokodile und Vögel nennen, die gegenseitig ihre Eier bewachen usw. Meist sind diese Lebensgemeinschaften aber auf den direkten Nutzen beschränkt, echte Interaktionen kommen unter den Arten nicht wirklich vor.
Wölfe und Raben
Das passiert aber bei einer weiteren tierischen Artengemeinschaft. Bei Wölfen und Raben, die oft gemeinsam Leben und sich gegenseitig so nutzen, dass die Raben gute Wächter und Signalgeber sind. Und Wölfe ihnen Nahrungsreste bescheren…  Doch kann man bei diesen Arten beobachten, dass tatsächlich teilweise eine echte Interaktion untereinander stattfindet. So wurden Wölfe und Raben beobachtet, die so miteinander agierten, dass man wirklich von artübergreifendem Spielverhalten sprechen kann.
Artübergreifenden Lebensgemeinschaften
Es gibt also unterschiedliche Tierarten, die in so etwas wie artübergreifenden Lebensgemeinschaften leben. Mal einfach auf Nutzen aufgebaut, mal geht es weiter – teilweise in überartliche Formen von Sozialverbänden. Die Tatsache wird heute immer häufiger in Beobachtungen und Interpretationen von tierischem Sozialverhalten einbezogen.
Der Rabe als Rudelführer bei den Wölfen?

Was allerdings alle Beobachtungen belegen ist die weitere Tatsache, dass sich die verschiedenen Arten selbst sehr gut unterscheiden können. Ein Fuchs weiß, dass er ein Fuchs ist, selbst, wenn er in der Nähe von Kaninchen aufgewachsen ist. Und ein Wolf versucht nicht zu fliegen, nur weil er als Welpe mit einem Raben gespielt hat. Zudem zeigen alle Tiere in einer überartlichen Gemeinschaft deutlich mehr Konkurrenzverhalten gegenüber Artgenossen, als gegenüber den Sozialpartnern anderer Arten. Die nutzen nämlich und sind keine Konkurrenten wie die Artgenossen. Es wäre recht merkwürdig zu glauben, dass sich ein Fuchs zum Chef der Dachsfamilie aufschwingen möchte oder ein Rabe das Leittier eines Wolfsrudels werden möchte. Die Tiere wissen sehr genau, was sie sind und was nicht. Ein Rabe ist ein Rabe und ein Wolf ist ein Wolf. Aber sie können kooperieren und sich aneinander anpassen.
Menschen und Hunde
So weit so gut. Widmen wir uns einer weiteren überartlichen Gemeinschaft. Der des Menschen und des Hundes. Auch hier kann man davon ausgehen, dass diese Gemeinschaft ganz am Anfang durch zufälligen Nutzen geprägt war. Wölfe nutzten ggf. die Nahrungreste der Menschen, dafür kam den Menschen vermutlich zugute, dass Wölfe Beute besser aufspüren konnten und mit ihren Sinnen auch hervorragende „Warner“ vor Gefahren waren. Daraus hat sich dann wohl die komplexeste aller überartlichen Sozialgemeinschaften entwickelt. Ich möchte garnicht auf das komplexe Selektionsgeschehen eingehen, welches den Wölfen widerfahren ist, nachdem Menschen in der Lage waren, gezielt den Nutzen der Wolfseigenschaften zu selektieren und zu verstärken. Und somit den Hund schufen. Wie gesagt, die überartliche Gemeinschaft von Mensch und Hund ist sicher die koplexeste, die uns auf sozialem Sektor bekannt ist. Das heißt aber noch nicht, dass Hunde nicht wissen, dass sie Hunde sind und sich für Menschen halten. Ganz bestimmt nicht  - eigentlich kann jeder selbst beobachten, dass sich Hunde anderen Hunden gegenüber anders verhalten als Menschen gegenüber. Auch hier kann man wieder feststellen, dass der Mensch „nützlich“ ist und Artgenossen eher als Konkurrenten angesehen werden. Das gleiche Grundmuster wie bei allen anderen überartlichen Lebensgemeinschaften.
Der Hund als Rudelführer bei den Menschen?
Darum ist die unter Menschen weit verbreitete Annahme, dass Hunde, wenn man es nicht konsequent verhindern würde, gern die Führung eines „Mensch / Hund – Rudels“ übernehmen möchten, als absurd anzusehen. Genau wie Wölfe und Raben keine Rudel bilden, können das auch Menschen und Hunde nicht. Es sind überartliche Lebensgemeinschaften, mit sozialer Anpassung – aber immer noch komplett unterschiedliche Arten. Und Hunde wissen das auch. Beim Menschen bin ich mir da nicht immer so sicher…
Absurder Glaube
Wie gesagt, es ist geradezu absurd zu glauben, dass Hunde eine Leitungsfunktion, eine Chefrolle gegenüber ihren Menschen einnehmen möchten. Klar, es gibt sicher selbstbewusste Hundeindividuen, die schnell lernen mit welchem Blick sie ihren Menschen „weichkochen“ um an Futter zu kommen. Andere erreichen das vielleicht durch forderndes Verhalten. Aber das sind erlernte Verhaltensmuster, wie man Menschen am besten „nutzt“. Das hat nichts mit Rudelführung zu tun. Das ist auch immer situativ und individuell.
Populismus und eine andere Art von Vermenschlichung
Es ist in der Natur also eher ungewöhnlich, dass eine Art die Führung über eine andere Art anstrebt. Den Drang verspürt wohl nur der Mensch – und übertreibt in seinen Gedankenmodellen da meist maßlos. Darum ist der Gedanke, dass Hunde Chefs über Menschen sein möchten, wohl eine der größten Vermenschlichungen, die man sich ausdenken kann. Wird aber leider in populistischer Weise immer wieder von Menschen genutzt, die mit Ängsten der Hundehalter spielen um ihre Philosophie- und Geschäftsmodelle der Hundeerziehung zu vermarkten.
Anpassung und Kooperation statt Rudelführung
Lassen Sie sich davon nicht verrückt machen – Hunde wissen genau, dass sie Hunde sind. Sie wollen Menschen nicht unterdrücken. Sie möchten eigentlich nur friedlich mit ihnen in einer überartlichen Lebensgemeinschaft leben und auch ihren persönlichen Nutzen daraus ziehen. Sei es Nahrung und / oder Sicherheit. Und diesen Nutzen bekommt Hund nicht, wenn er auf Konfrontation aus ist. Anpassung und Kooperation führen viel schneller zum Futter oder zu Streicheleinheiten. Die auch überartlich als angenehm wahrgenommen werden. Vom Menschen und vom Hund J

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