Mittwoch, 15. Juli 2015

Bedrohliche Spezies hat seine Biotope verlassen



Irgendwie haben wir Menschen ja vor allem Angst. Wenn wir nicht ständig auf der Hut sind und Maßnahmen ergreifen, werden wir schon bald vom Untergang bedroht sein. Was uns nicht alles bedroht: Unerzogene Hunde, Wölfe, Waschbären, Luchse, Herkulesstauden, Maulwürfe, Krähen, Elstern, Tauben – eine Armee von Tieren und Pflanzen, die kurz davor steht, die Herrschaft über die Welt zu übernehmen und die Menschheit zu versklaven – wenn wir sie nicht gnadenlos „regulieren“. Ja, unsere Angst ist schon berechtigt. Gerade bauen Tauben ein Nest direkt an meinem Balkon. Vermutlich nur ein Schritt auf dem Weg, mich aus dem Haus zu jagen…

Bei all den grausamen Monstern, die uns bedrohen, übersehen wir fast die Gefahr von einer anderen Spezies. Die es zwar immer schon bei uns gab, die sich aber seit ca. 20 Jahren stark vermehrt und seit sechs oder sieben Jahren fast explosionsartig über uns herfällt.

Agierte diese Spezies früher eher in abgegrenzten Biotopen wie Kneipenstammtischen, Kaffeekränzchen oder Kleingartenlauben, hat sie nun die weite Welt entdeckt. Die weite Welt des Internets. Und hat sich auch evolutionär entwickelt. Der früher im Biotop ansässige Pöbler ist zum Internetpöbler geworden. Seuchenartig verbreitet er sich über die Welt, fast ungehindert. Jeder Regulierungsversuch ist bislang gescheitert, unter anderem dadurch, dass die Pöbler immer wieder feige im Dickicht der Anonymität abtauschen. Und diejenigen, die sich offen zeigen, sind meist immun gegen jeglichen Versuch, sachlich mit Ihnen in Verbindung zu treten. Sie wissen sowieso alles, können alles – oder zumindest können Sie Ihren Vorbildern und/oder Gurus nach dem Schnabel reden. Und alle anderen anpöbeln…

Der Internetpöbler. Er breitet sich aus und ist kaum aufzuhalten. Mir macht er Angst, weil er vernünftigen Austausch und sachliche Debatten immer wieder torpediert – so weit, dass die Menschen, die interessante Dinge zu sagen haben, immer mehr eingeschüchtert werden und nichts mehr sagen. Schade…

Ich wünschte mir, wir würden unseren Weltuntergangs- und Verschwörungswahn bezogen auf „unerzogene Hunde“, Wölfe und Maulwürfe nur ein wenig auf die Internetpöbler übertragen. Denn die haben es verdient, reguliert zu werden. Wölfe, Maulwürfe, Elstern etc. sind keine reale Gefahr, aber wir machen Sie zu Monstern. Das echte Monster ist aber viel näher, als wir denken. Vielleicht pöbelt es direkt neben uns in der U-Bahn. Ganz leise, ganz hinterhältig und anonym mit den Fingern auf dem Smartphone…

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