Freitag, 10. Mai 2013

Koka und der „rudelführende Vollpfosten“

Bei Recherchen und durch eigene Erfahrungen habe ich der letzten Zeit die Erfahrung gemacht, dass es nicht immer förderlich ist, eine Sache, eine Meinung oder Ähnliches mit allen Mitteln durchsetzen zu wollen und sich an „Feindbildern“ abzuarbeiten. Meine Recherchen und Erfahrungen ergeben nämlich langsam ein klares Bild. Je stärker etwas bekämpft wird, nutzt man diesem dadurch meist mehr, als dass man ihm schadet. Meinungsverschiedenheiten usw. werden letztlich eher beigelegt, wenn Menschen den Konsens suchen, sich gegenseitig respektieren usw. Natürlich gibt es Grenzen – wenn Gewalt ins Spiel kommt, wenn Menschen Tiere und deren Emotionen nicht respektieren – dann wird es schwer einen Konsens zu finden. Aber auch da kommt man mit Sachlichkeit weiter als man glaubt. Wenn das auch schwer fällt… Das aber nur am Rande. Zum Thema „verrückte Hundeszene“ und ihren soziologischen Mechanismen verfasse ich gerade eine Artikelserie für das CANISUND (www.canisund.de ). Das liefert spannende Erkenntnisse ;-)
Heute hatte ich allerdings ein Begegnung, bei der es mir schwer fällt, Sachlichkeit und Respekt gegenüber anderen zu bewahren.
Ich ging mit meiner Hündin Koka durch die Stadt, besser gesagt einen parkähnlichen Gürtel um die Stadt Soest, den so genannten Wall. Bei Koka muss man erläuternd erwähnen, dass sie ihre ersten vier Lebensjahre relativ isoliert von fremden Hunden, nur mit Ihrem Bruder zusammen, auf einer spanischen Finca gelebt hat. Ihr Sozialverhalten beschränkte sich, als sie zu mir kam darauf, fremde Hunde zu vertreiben. Hunden in ihrem sozialen Umfeld verhält und verhielt sie sich dagegen immer mehr als vorbildlich. Ihr Problem waren immer nur Hundebegegnungen mit fremden Hunden. Seit Jahren haben wir gearbeitet, ihr diese negativen Gedanken gegenüber fremden Hunden („fremde Hunde sind doof, ich muss sie verscheuchen“) zu nehmen. Und unsere Arbeit ist erfolgreich. Zwar wird Koka nie einer von den Hunden, dem man den Kontakt zu fremden Hunden bedenkenlos gestatten kann. Eine Annäherung muss immer kontrolliert verlaufen, dann hat man eine Chance. Aber wir sind auf alle Fälle soweit, dass wir relativ problemlos Hundebegegnungen gestalten und an der Situation vorbeigehen können. Eine Freundin von fremden Hunden wird sie nie, aber wir können uns damit arrangieren und gut damit leben.
Aber zurück nach Soest. An diesem Wall gehe ich von Zeit zu Zeit ganz gerne lang, weil man dort eben Hundebegegnungen hat, sich Kokas Verhaltensentwicklung festigen kann.
Heute kam es aber so, dass wir aus einiger Entfernung ein junges Paar mit einem Boxer sahen, der nicht angeleint war. Ich weiche also mit Koka aus, bringe sie ins Sitz und möchte abwarten, dass Boxer und Menschen vorbeigehen. Zur Sicherheit rufe ich dem Hundehalter zu, er möge seinen Hund doch anleinen. „Brauch ich nicht, der macht nichts“, ruft dieser zurück – allerdings konnte er nicht ganz aussprechen, weil sein Boxer schon mit großen Galoppsprüngen auf uns zusprang. Er war so schnell da, dass es mir nicht mehr gelang, mich zwischen ihn und Koka zu bewegen. Er rempelte Koka um und versuchte sie weiter zu bedrängen. Was sich ein Hund wie Koka, mit ihrem Sozialisierungshintergrund, nicht gefallen lässt. Die Eskalation stand kurz bevor  – ich musste mich recht entschieden zwischen die Hunde begeben und schirmte Koka ab.
Der Boxer, so ungestüm er erst war, verstand durch unser Verhalten dann aber auch recht schnell, dass wir sein rüpelhaftes Benehmen nicht wirklich toll fanden. Er drehte sich ab und ging zu seinem Besitzer, der trotz der Situation recht langsam angeschlichen kam – um dann seinem Hund in die Nierengegend zu schlagen.
„Mein Gott“, entfuhr es mir da „Sie machen den Fehler und schlagen den Hund!“
„Wieso Fehler?“ fragte er. „Ich muss ihm doch zeigen wer der Rudelführer ist!“
Den weiteren Dialog mit dem Mann verschweige ich hier besser mal.
Festhalten muss man aber, dass der Hund ja im Prinzip schon auf dem Rückweg zum Besitzer war, und diese schwachsinnige „Maßregelung“ natürlich mit dem Zurückkommen verband und nicht mit dem Anrempeln von Koka. Dieser Hundehalter leinte seinen Hund nicht an, obwohl ich ihn darum bat. Er hatte trotz „Rudelführergefasel“ keinerlei verbalen Einfluss auf seinen Hund. Und dieser Mensch fragt nach dem Fehler? Und schlägt auch noch seinen Hund. Armer Hund, der mit solch einem Deppen leben muss…
Bei Koka fürchte ich, dass ein gutes Stück Arbeit mit einem Schlag zunichte gemacht wurde.  Zwar entspannte sie sich nach dem Vorfall wesentlich schneller als ich. Aber Sie schaute mich so an, als wollte sie sagen: „Siehst Du, fremde Hunde sind eben doch doof!“
Sie hat jetzt gute Argumente, die wir erst einmal neu Diskutieren müssen. Sprich, ich muss wieder daran arbeiten sie zu überzeugen, dass fremde Hund nicht doof sind. Mann, Mann und das wegen diesem rudelführenden Vollpfosten…

Das Spiel mit der Angst – Populismus in der Hundehalterwelt

Bei der Beurteilung von Hundeverhalten sollte man es vermeiden, pauschal zu urteilen oder zu bewerten. Wenn ein Hund Menschen oder Artge...