Sonntag, 17. Juni 2012

Kind und Welpe – Ist ein Vergleich der Empfindungen erlaubt?

Überdrehen beim Spiel

Ein Kind spielt und spielt und spielt – und überdreht dabei. Sein Körper zieht die Notbremse, das Kind fängt an zu weinen. Seine Mutter erkennt die Zeichen instinktiv, beruhigt das Kind und bringt es dazu, mit dem Spiel für eine Weile aufzuhören.
Ein Welpe spielt, wird von seinen Menschen bespielt bis er überdreht. Sein Mensch erkennt die Zeichen nicht und wirft den Ball und wirft und wirft…

Mobbing untereinander
Ein Kind wird von anderen Kindern auf dem Spielplatz fortwährend verunsichert und gemobbt. Die Mutter erkennt dies, greift ein und holt das Kind aus der belastenden Situation.
Ein Welpe wird in der Welpengruppe von anderen Hunden fortwährend verunsichert und gemobbt. Der Hundebesitzer ist verunsichert und weiß nicht, wie er reagieren soll. Der Hundetrainer, der die Welpengruppe leitet sagt nur lapidar: „Da muss er durch…“.

Kauen und Grenzen
Ein Kind ist im Zahnwechsel. Es hat Schmerzen und teilt dies seiner Mutter mit. Diese tröstet es und hilft vielleicht zusätzlich mit Mitteln, die die Schmerzen lindern.
Ein Welpe ist im Zahnwechsel und hat  Schmerzen. Er hat festgestellt, dass die Schmerzen weniger schlimm sind, wenn er auf etwas herumkaut. So nimmt er das Bein des Küchentischs und kaut daran, um den Schmerz erträglicher zu machen. Sein Besitzer kommt, sieht den kauenden Welpen und schubst ihn weg, brüllt ihn an oder „zwickt“ ihm gar in die Schulter. Irgendwelche Hundeexperten haben ihm gesagt, man müsse dem Hund Grenzen setzen, ihm zeigen, was erlaubt ist und was nicht.

Kann man Menschenkinder mit Welpen vergleichen?
Bei Menschenkindern wissen wir wohl instinktiv, was in ihnen vorgeht, wir können uns besser in sie hineinversetzen. Hineinversetzen und dadurch mitfühlen. Diese „Empathie“, funktioniert unter Menschen. In Hunde können wir uns anscheinend nur sehr viel schwerer hineinversetzen. Die Gefühle und Emotionen von Menschenkindern kann man bestimmt mit denen von Welpen vergleichen. Die Fähigkeiten der Empathie von erwachsenen Menschen gegenüber Menschenkindern und Welpen scheinen aber sehr unterschiedlich zu sein.
Übrigens, ich konnte bei Wild- und „frei“ lebenden Haushunden noch nie feststellen, dass Elterntiere Welpen für  das Kauen auf irgendetwas maßregelten. Im Gegenteil, meist schleppten sie Knochen oder Äste an, worauf die Welpen zur Kompensation ihrer Schmerzen herumkauen konnten und durften...



Anmerkung: Der Text wurde durch den Artikel einer Kollegin in einer Sonntagszeitung gleichen Datums motiviert.

Kommentare:

  1. Eigentlich stelle ich den Vergleich Kind/Welpe immer gerne her, natürlich kann man das nicht zu 100 % auf jede Situation beziehen. Doch bei der Frage: Wie lange darf ein Welpe spazieren gehen? Faustregel 8 Wochen alter Welpe, höchstens so lang wie das Alter in Wochen x 2, also in dem Fall 16 Minuten, reagieren manche Hundebesitzer verstutzt. Die eine Dame wunderte sich, dass sich ihr Welpe hinsetzte, als sie ca. 1 Stunde mit ihm unterwegs war. Dann gebe ich gerne das Beispiel ab:"Sie müssen sich einfach vor Augen halten, dass der Welpe ein Baby ist, sehr viel Ruhe und Schlaf braucht, eben wie ein Baby." Dann kommt sehr oft der "Aha-Effekt". Viele Hundebesitzer machen sich nämlich keine Gedanken darüber, dass wir dem Welpen erst einmal alles beibringen müssen, so ähnlich wie wir es einem Baby/Kleinkind/Kind beibringen und Rücksicht nehmen müssen.

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  2. bettina ja das war genau so - bei unserem nächsten Welpen würden wir es völlig anders angehen. Da macht man sich über so Sachen Gedanken was die Leute wohl sagen, wenn der Hund zieht etc pp. Bei einem Kind würden wir wohl auch nicht erwarten dass es mit 4 Jahren schon Autofahren kann.

    Thomas ich habe noch einen der mich immer doll aufregt:
    Ein Kind: Bei Gewitter, Sylvester und anderen Situationen wo das Kind Angst hat, wird dem Kind Aufmerksamkeit geschenkt und es wird beruhigt.

    Ein Welpe: Es wird an jeder Ecke andauernd wiederholt dass der Hund doch bitte bei Sylvester nicht angeredet werden sollte wenn er Angst hat und sich verkricht. Man soll ihn bitteschön ignorieren damit er nicht denkt, dass sein verhalten Falsch ist.

    Ob ein Eis oder eine Tafel Schokolade eine Arachnophobie verstärkt? Ich zweifle stark daran. Durch andauerndes Wiederkauen von Unsinn wirds alles auch nicht besser :)

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  3. Bin ich froh, dass mein Frauchen bei mir alles richtig gemacht hat! Kurze Spieleinheiten, beim Mobben dazwischen gegangen und stets ein Möhre zum kauen beim Zahnen. Ach ja, lange Gassitouren gab es auch nicht, als ich ein Welpe war. Ich bin mir sicher, Frauchen hat mehr Ahnung von Welpenaufzucht als von Kindern!

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  4. Olli, zu Sylvesterangst usw. gibt es einen Super Artikel von Frau Dr. Blaschke-Berthold. Ich glaube den kann man auf der HP von Easy-Dogs.net nachlesen

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  5. Bettina ja ich weiß. Damit hat die UteBB auch vollkommen recht.

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  6. Diese Themen passen hervorragend "in einen Topf"!

    Es ist nicht sooo lange her, dass man Säuglinge schreien liess, weil das die Lungen stärkt, sie nach der Uhr fütterte und Kleinkinder mit Schlägen und anderen aversiven Maßnahmen "erzog".
    Auch heute sind wir noch lange nicht so weit, mit unseren Kindern so umzugehen, wie es unsere Empathie und unser Instinkt eigentlich gebieten würde. Das fängt spätestens bei der Geburt an.

    In beide Themen mischen sich Sozialisationsmythen in unsere Empfindungen und wir wissen nicht, auf welche Stimme wir denn nun hören sollen.

    Eines ist auf jeden Fall gleich: Babys/Kinder und Welpen/Hunde müssen frühestmöglich davon abgehalten werden, uns zu dominieren und die Weltherrschaft an sich zu reissen.

    Relativ neu ist: Beide brauchen möglichst viel Frühförderung und sollen hochintelligent werden. Dazu werden teure Kurse gebucht und ein Stundenplan erstellt...

    Ach, mir würden noch so viele Parallelen einfallen ;)

    Klasse Thema!

    Lieben Gruß

    Kirsten

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  7. Ich denke auch, dass man einiges vergleichen kann und einiges halt nicht. Nicht alle Hundebesitzer verstehen die Sprache der Hunde, daher wissen sie auch nicht immer ob sie überhaupt reagieren sollen. Welpenclub hat hierzu einen Lexikon über die Körpersprache der Welpen Welpen veröffentlich
    Das wäre schonmal ein Anfang um die Welpen zu verstehen. Es kann aber sein, dass man sich anmelden muss um sich die Informationen durchlesen zu können. Umso mehr man sich mit den Hunden beschäftigt, desto besser kann man sie eigentlich verstehen. Lasst uns alle Hundeflüsterer sein :D Somit würden wir den Hunden und uns selbst helfen.

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