Freitag, 20. Januar 2012

Welpenverkauf in einer Zoohandlung. Gemeinsam dagegen…

Menschen, die professionell mit Hunden arbeiten, haben oft unterschiedliche Meinungen. Sich gegenseitig zu kritisieren ist an der Tagesordnung und gehört innerhalb der „Hundeszene“ fast schon zum guten Ton. Unterschiedliche Meinungen zu haben gehört zur menschlichen Gesellschaft und ist letztlich beim konstruktiven Austausch förderlich. Solange Meinungsverschiedenheiten und Kritiken den Rahmen der Sachlichkeit und des gegenseitigen Respekts nicht verlassen. Es gibt aber leider immer Sachverhalte, bei denen es schwer fällt, die Sachlichkeit zu wahren. Da ist es dann an der Zeit, dass diejenigen, die vielleicht in einigen Sachfragen unterschiedlicher Meinung sind, aber in grundsätzlichen Fragen einig sind, an einem Strang ziehen. So möchte ich hier einen Link einfügen, der das Interview eines Kollegen zum Verkauf von Welpen beinhaltet. Wenn ich, wie gesagt, auch nicht immer einer Meinung mit dem Kollegen bin – an dieser Stelle, in dieser grundsätzlichen Frage unterstütze ich seine Worte vorbehaltlos. Und möchte mit diesem Artikel auf das Interview hinweisen, damit es viele Leser findet.
Inhaltlich kann ich dem Interview also absolut zustimmen. Die wichtigsten Punkte sind angesprochen und sollten dazu beitragen, dass Menschen davon abgehalten werden, einen Welpen in einer Zoohandlung zu erwerben.
Eine Kleinigkeit möchte ich allerdings noch anmerken: Ich bin der absoluten Überzeugung, dass auch Wellensittiche, Hamster oder Kaninchen in einer Zoohandlung nicht im Ansatz „glücklich“ sind oder sich auch nur einigermaßen "wohl fühlen". Nach meiner Meinung gehört kein empfindungsfähiges Lebewesen in die „Verkaufsauslage“ eines Supermarktes – und wenn die medizinische Versorgung noch so gut ist.
Abschließend noch ein Wort im Klartext: Die vom Kollegen im Interview angesprochenen Folgen für Mensch und Hund kann man letztlich nur verhindern, indem an solchen Orten keine Welpen gekauft werden. Jeder, der dort ein Tier kauft, unterstützt Tierleid…

„Billigwelpen“ - wissen Menschen eigentlich, was dahintersteckt?

In erster Linie beschäftige ich mich in diesem Blog mit Themen, die mit der Hundeerziehung oder dem Umgang mit dem Lebewesen Hund an sich zu tun haben. Ich möchte erreichen, dass Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen mit Hunden arbeiten oder auch zusammenleben, viele Dinge differenzierter betrachten und möchte bezüglich des Umgangs mit dem Hund zum Nachdenken anregen. Bei dem Thema, das ich heute ansprechen möchte, bin ich mir eigentlich sehr sicher, dass die Leser dieses Blogs da weitgehend mit mir übereinstimmen. Weil die Leserschaft sich hauptsächlich aus Hundehaltern und Hundetrainern zusammensetzt, die grundsätzlich gut informiert sind, wenn auch manchmal unterschiedlicher Meinung in konkreten Fragen. Billigwelpen werden die informierten Leser dieses Blogs nicht befürworten, da bin ich mir sicher. Aber leider gibt es sehr viele Menschen, die mit dem Gedanken spielen sich einen Hund zuzulegen und nicht so gut informiert sind. Gerade die möchte dieser Artikel aber erreichen. Ich zähle daher auf alle Stammleser, dass sie bei der Verteilung mithelfen…
Gestresste Welpen und Mütter
An dieser Stelle möchte ich einige Worte zu Rassewelpen verlieren, die man für wenige hundert Euro (manchmal noch weniger) erwerben kann. In vielen Fällen werden diese Welpen in Großzuchtstätten geboren, die in Ländern liegen, die, drücken wir es vorsichtig aus, ein anderes Verhältnis zum Hund haben als wir in Mitteleuropa. Die Welpen werden dort als Ware, als Produkt angesehen, welches einen wirtschaftlichen Profit verspricht. So kommt es vor, dass Welpen in regelrechten „Produktionsstätten“ auf die Welt gebracht werden. Vielfach genügen diese Orte nicht einmal einfachsten, den Tieren wenigstens im Ansatz gerecht werdenden Standards. Mutterhunde werden als Gebährmaschinen missbraucht und werden bei jeder Läufigkeit belegt – was die Körper unglaublich belastet. Hündinnen sind körperlich von Natur aus eigentlich nur einmal jährlich in der Lage Nachwuchs auf die Welt zu bringen, ohne selbst Schaden zu nehmen. Auch wenn sie, dank der Selektion durch Menschen, meist zweimal im Jahr empfängnisbereit sind. Zusätzlich zur körperlichen Überbelastung kommt, dass die Tiere in Zwingeranlagen eingepfercht sind, fast nie an die Luft kommen oder irgendeinen anderen, lebensnotwendigen Reiz bekommen. Die Mutterhündinnen vegetieren vor sich hin, ohne wichtige Elemente des Lebens, die Glück und Wohlbefinden hervorrufen. Stresshormone sind ständig im Körper, aber entgegenwirkende Stoffe der körpereigenen Biochemie können dank fehlender Stimulanz nicht gebildet werden. Die Muttertiere in diesen Massenzuchtstätten unterliegen also einem starken Stress. Einem Stress, dem letztlich auch die ungeborenen Welpen schon im Mutterleib ausgesetzt sind, weil Kreisläufe und Biochemie direkt miteinander verwoben sind. So kommen diese kleinen Lebewesen schon mit einem biochemischen Ungleichgewicht auf die Welt – dauerhafte Stressanfälligkeit und sehr viel Angst und Unsicherheit im gesamten späteren Leben sind meist die unausweichliche Folge. Zudem ist die Mutter auch vom Immunsystem her geschwächt, die Neugeborenen also auch. Krankheiten und Keime haben bei diesen schwachen Organismen eine größere Chance Fuß zu fassen und sich auszubreiten.
Viel zu früh der Mutter entrissen
 Und als wenn das noch nicht genug wäre, werden die Welpen dann noch ihrer Mutter entrissen und mit 4 oder 5 Wochen auf dem Markt verkauft. Die kleinen Lebewesen sind aber noch garnicht in der Lage, ohne Ihre Mutter zu existieren, ihr kleines Gehirn kann noch nicht mit den vielen Eindrücken umgehen, die plötzlich, außerhalb ihres dunklen Verschlags, plötzlich auf sie einstürzen. Redende Menschen, Gezerre und unglaublich viele Außenreize. Und das alles ohne ihre Mutter, ihre einzige Konstante in dem jungen Leben, die zwar auch schwach und gestresst war, aber trotzdem wenigstens beruhigend auf die Welpen einwirken konnte. Die Welpen werden so in der normalen Entwicklung ihres Gehirns gehemmt, sie sind erneut stark gestresst – so stark, dass ihr Körper nicht in der Lage ist, sich anzupassen. Starker Stress schwächt das ohnehin angeschlagene Immunsystem noch mehr, Krankheiten haben noch leichteres Spiel. Was mit diesen Welpen aus diesen Massenzuchtstätten passiert ist furchtbar und der menschlichen Gesellschaft eigentlich unwürdig. Aber leider Realität. Diese Welpen werden dann, oft illegal, nach Mitteleuropa gebracht und dort billigst verkauft. Manchmal auf „Tiermärkten“ aus dem Kofferraum heraus, oft erreichen die Händler ihre Kunden auch über das Internet oder tun so, als wären die Welpen auf irgendeinem Bauernhof geboren worden. Der ganze Handel mit Welpen ist organisiert und ein ganz perfides Unterfangen. Ein Teil der Welpen aus solchen Quellen stirbt schon kurze Zeit, nachdem sie bei ihren neuen Besitzern sind. Diejenigen, die überleben, sind fast immer und ihr Leben lang mit vielen Problemen behaftet. Physisch und psychisch…
Schuld der Käufer?
Dabei wäre es wirklich ganz einfach, dieses Welpenelend zu beenden. Schlicht, indem niemand mehr einen solchen Welpen kauft. Das ganze System, alles was den Welpen, ihren Müttern - allen daran beteiligten Hunden angetan wird, wird nur dadurch ermöglicht, dass in Deutschland Menschen dazu bereit sind, Welpen für „kleines Geld“ zu erwerben.
Dies soll keinesfalls ein pauschaler Angriff auf Welpenerwerber sein, die aus Unwissenheit einen solchen Welpen bei sich aufgenommen haben. Aber wer dies gelesen hat, weiß etwas mehr und sollte dies bei jedem zukünftigen Hundewunsch berücksichtigen.
Aber es ist nun einmal so, dass letztlich der Markt für billige Welpen vom Käufer bestimmt wird. Gäbe es keine Käufer, gäbe es keine Massenzuchtstätten und keine leidenden Welpen. Darum meine bitte an alle die, die sich mit dem Gedanken beschäftigen, einen Welpen zu erwerben. Im Interesse der kleinen, unschuldigen Lebewesen – machen Sie einen großen Bogen um Angebote von Billigwelpen. Für jeden Verkauften Hund werden mehrere nachgezüchtet – alles kleine Individuen, die entsetzlich leiden. Nachgezüchtet wird übrigens auch, wenn man einen dieser Welpen aus Mitleid erwirbt. Gesetze der Marktwirtschaft – Absatz fördert Produktion. Auch wenn die Worte „Absatz und Produktion“ in diesem Zusammenhang nicht wirklich schön sind…
Wenn Sie sich also einen Hund zulegen möchten, erkundigen Sie sich doch bei einem Tierschutzverein. Oder, wenn es denn unbedingt ein Welpe sein soll, suchen Sie sich einen Züchter aus, der transparent und überprüfbar züchtet, sowie den Welpen einen optimalen Start ins Leben ermöglicht.
Tierschutzhunde und seriöse Züchter
An dieser Stelle möchte ich gern erwähnen, dass ich persönlich immer Hunde aus dem Tierschutz bei mir aufnehme, es aber auch Züchter geben muss – wenn auch in einem ganz anderen Umfang als heute Realität ist. Welpen und Nachwuchs muss es natürlich geben, andernfalls würden Hunde schlicht aussterben. Es ist zudem ein Bedarf an Welpen da, ca. 500.000 wechseln jedes Jahr in Deutschland den Besitzer – und leider viel zu viele davon aus den angesprochenen Massenzuchten mit all dem Elend. Es wäre daher ein Fortschritt, wenn die Welpenkäufer auf seriöse Züchter zurückgreifen würden. Die gibt es natürlich und ich kenne persönlich einige, die nicht an den Profit denken, sondern aus Engagement und der Liebe zum Tier und auch zu einer speziellen Rasse, sehr viel Energie und Freude in kleine Zuchten stecken. Was ein seriöser Züchter ist, darauf werde ich in einem späteren Artikel in diesem Blog noch eingehen. Hier kann man aber schon feststellen, dass ein seriöser Züchter einen Hund nicht für einen „Discountpreis“ anbieten kann. Gute Ernährung, medizinische Versorgung und Vorsorge sowie die Zeit, Welpen behutsam auf das Leben vorzubereiten, aber auch ein tiergerechtes Umfeld haben ihren Preis. Wenn ich also einen Welpen suche, der bestmöglichst ins Leben gestartet ist, dann kann und darf ich keinen Billigwelpen zu mir holen. Zum einen werde ich mit einem solchen Welpen viele Probleme bekommen, die letztlich mehr Kosten verursachen, als ich am „Kaufpreis gespart“ habe. Zum anderen verursache ich mit dem Erwerb eines solchen Welpen unglaubliches Leid, weil es immer weitergeht und immer mehr arme Lebewesen „produziert“ werden.
Sumpf der Tierquälerei trockenlegen
Es gibt viele Wege, wie ein Hund seinen Weg zu uns Menschen findet. Wie erwähnt durch Tierschutzorganisationen (dazu gehören natürlich auch Tierheime) oder seriöse und transparente Züchter. Auf keinen Fall dürfen wir als verantwortungsbewusste Menschen aber diese „Züchter“ und Händler unterstützen, die nur an den Profit denken und das Lebewesen Hund als Ware betrachten. Deren Markt, dieser Sumpf aus Tierquälerei, muss trockengelegt werden. Das kann nur erreicht werden, indem ihre „Ware“ keinen Käufer mehr findet…
Sicher, bei mir steckt hier sicher mehr der Wunsch hinter dem Gedanken. Aber vielleicht kann ich hiermit ja den ein oder anderen potentiellen Welpenkäufer dazu bewegen, mit der Trockenlegung des Sumpfes zu beginnen.

Freitag, 13. Januar 2012

Ein offenes Wort an den Kollegen Rütter…

Anfang dieser Woche hatte ich einen neuen Beratungstermin bei einer Familie und Ihrem Hund. Im telefonischen Vorgespräch wurde mir berichtet, dass der Hund, ein Jack-Russell-Mix, immer bellend zur Haustür laufen würde, wenn sich Besuch durch schellen ankündigen würde. Beim Eintreten des Besuchs würde der Hund diesen verbellen und bedrohen, aber (noch) nicht zuschnappen. Solche Fälle sind nicht selten in meiner täglichen Praxis. Ein gezieltes Training, welches dem Hund zeigt und vorgibt, wie er sich in dieser Situation verhalten muss, zeigt meist gute Ergebnisse. Ersatzverhalten trainieren, Strukturen im Hundeleben entwickeln und an der Ruhe und Souveränität der Besitzer arbeiten. Und alles natürlich auf die individuellen Umstände abgestimmt, kennzeichnen meine grundsätzliche Herangehensweise bei solch einem Fall. Das Ganze braucht natürlich etwas Zeit und konsequentes, durchdachtes Training, zeigt aber meist ein positives Ergebnis für Mensch UND Hund.
Gut, ich erschien also zu dem verabredeten Termin und erwartete einen bellenden Hund. Doch nachdem ich die Türschelle betätigt hatte, hörte ich nichts – nur den Familienvater, der schnellen Schrittes zur Tür eilte und mir öffnete.“ Kommen Sie herein und schauen Sie, was wir am Wochenende erreicht haben“, sagte der Mann, der einen fast glücklichen Eindruck machte. In der Küche trafen wir dann auf den Rest der Familie und den „Problemfall“ Hund, der merkwürdigerweise still unter einer Küchenbank lag. Allerdings lag der Hund nicht friedlich entspannt unter der Bank, es hatte eher den Anschein, dass das Tier dort eine Zuflucht gefunden hatte, allerdings trotzdem noch stark gestresst war. Der Hund beäugte das Umfeld sehr genau, hektische Augenbewegungen wechselten sich mit lecken der Schnauze, zittern und einem fast schon apathischen Lecken der Vorderläufe ab. Der Hund war augenscheinlich stark gestresst im Zusammenhang mit meinem Erscheinen als Besucher – er war traumatisiert. Als wenn das nicht schlimm genug wäre, versuchten die Besitzer das Tier noch unter der Bank hervorzuziehen – und als der Hund dann knurrte, weil er sich nicht „gewaltsam“ von seinem scheinbar sicheren Platz entfernen lassen wollte (was vollkommen verständlich war), holte der Besitzer plötzlich eine Kette hervor, warf diese dem Hund vor die Nase. Jetzt konnte er den nicht mehr knurrenden Hund, der inzwischen stocksteif dalag, unter der Bank hervorziehen. Es war ein Moment, wo ich laut losmeckern wollte, um den Hundebesitzer so zu traumatisieren wie den Hund. Um aber nicht alle Möglichkeiten dem Hund zu helfen zu verspielen, verzichtete ich darauf und konnte auf sachlicher Ebene erläutern, was dem Hund gerade und am letzten Wochenende angetan wurde.
Was war geschehen? Im Gespräch erläuterte mir die Familie dann, dass sie am Samstag eine Sendung mit Martin Rütter gesehen hätte, wo einem Hund eine Kette und/oder ein Flasche, gefüllt mit Nägeln, immer dann vor die Füße geworfen wurde, wenn er Besucher anbellte oder knurrte. Da ich die Sendung nicht selbst gesehen habe kann mich nicht genau zu dem geschilderten Beitrag äußern. Ich kann allerdings sagen, dass ich persönlich nie mit Wurfketten und anderen Mitteln arbeite, die Hunde im Training kontinuierlich erschrecken, verängstigen und verunsichern. Sicher kann man situativ mal in die Hände klatschen oder auf den Boden stampfen, um Hunde zum Abbruch einer „unerwünschten“ Handlung zu bringen. Einen Hund aber mit Rappelgeschossen zu traktieren, um ein schnelles Ergebnis zu bekommen, führt fast immer zu stark traumatisierten Hunden, die dauerhaft verängstigt sind und eine minimale Lebensqualität erhalten. Zudem können solche Hunde im schlimmsten Fall durch aufgestaute Frustrationen und Wut irgendwann ins Gegenteil umschlagen und noch stärkere Aggressionen zeigen, als zuvor von dem „Rappelquatsch“ beseitigt. Nun gut, ich kann den Fall aus dem TV nicht genau beurteilen, weil ich ihn nicht gesehen habe. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hätte ich ihn aber anders angegangen. Was natürlich einen längeren Zeitraum in Anspruch genommen hätte und nicht den fernsehgerechten Schnellerfolg gezeigt hätte. Aber ich hätte mit Sicherheit auch darauf geachtet, dass Fernsehzuschauer, die solche Methoden um des „schnellen Erfolgs Willen“ oft unreflektiert nachahmen, nicht auf diese Idee kommen würden, ihren Hund innerhalb eines Wochenendes mit Kettenwürfen in ein nervliches Wrack zu verwandeln.
Darum nun einmal einige persönliche Worte an Dich, Martin.
Dass dieser Hund dermaßen traumatisiert unter der Bank lag, war natürlich in erster Linie die Schuld der Besitzer – doch man kann nicht leugnen, dass sie erst durch Deinen Fernsehbeitrag dazu gebracht wurden, so mit Ihrem Tier umzugehen. Ich weiß natürlich, dass bei Fernsehproduktionen der Unterhaltungswert und der schnelle, gern spektakuläre Coachingerfolg im Vordergrund stehen. Einen schnellen Erfolg mit Wurfketten etc. kann man natürlich visuell und dramaturgisch gut umsetzen und verkaufen. Allerdings mit dem Erfolg, dass so etwas von weniger informierten Hundehaltern oft ohne Gedanken kopiert wird, bis man traumatisierte Hunde hat wie das Tier meiner Kunden. Und ich bin mir sicher, dass diese Kunden nicht die einzigen Menschen sind, die solch eine „Methode“ unreflektiert kopieren. Wenn man öffentlich Tipps oder Äußerungen zu gewissen Themen abgibt, muss man immer bedenken, dass öffentliches Auftreten Konsequenzen für andere haben kann. Hier sind die leidtragenden Hunde. Ich versuche bei jedem öffentlichen Wort höllisch darauf zu achten, dass meine Worte keine negativen Folgen für Hunde haben. Schließlich handelt es sich um lebende und vor allem empfindende Lebewesen, die den Menschen letztendlich bedingungslos ausgeliefert sind. Ich würde mir wirklich wünschen, dass Du, Martin, manchmal auch mehr die Folgen für die Hunde bedenken würdest, und nicht nur die sendefähige Umsetzung im Auge hättest. Damit würden viele Hunde vor traumatischer Behandlung bewahrt.
Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte Dich hier nicht grundsätzlich kritisieren, weil ich überzeugt bin, dass Du im Prinzip keine Gewalterziehung befürwortest. Wobei ich die Einschüchterungsmethoden über Erschrecken nicht zielführend halte und persönlich nicht einsetzen würde, denke ich dennoch, sind wir in Deutschland mit Dir als medialen „Vorturner“ doch besser dran als z. B. die Amerikaner mit dem „Hundeflüsterer“. Du bist mir als Mensch auch nicht unsympathisch, Du bist ein guter Comedian, Deinen Einsatz für den Tierschutz schätze ich – aber ich würde mich noch mehr freuen, wenn Du manchmal mehr daran denken würdest, was es indirekt für Hunde bedeuten kann, wenn ihre Besitzer Deine Sendung sehen. Im Falle meines Kundenhundes war die Folge ein Trauma. Welches wir nur sehr langsam und mit sehr viel Geduld wieder umkehren können. Aus dem eigentlichen Fall ist nun ein wesentlich schwierigerer geworden, der die Besitzer letztlich mehr Nerven und Geld kostet, als es nötig gewesen wäre. Klar, mir beschert der Fall nun mehr Honorar. Aber darauf könnte ich verzichten – weil ich es nur schwer ertragen kann, wenn Hunde leiden…
Also, nichts für Ungut für diese offenen Worte. Ich hoffe, dass Du vielleicht einmal über die möglichen Konsequenzen Deiner öffentlichen Ausführungen nachdenkst. 
Mit kollegialem Gruß
Thomas Riepe

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Lesen Sie bitte auch
http://klartexthund.blogspot.com/2012/01/welpenverkauf-in-einer-zoohandlung.html

Ein Wort zu den Kommentaren:
Es ist wirklich erstaunlich, wie emotional und aufgeheizt einige Kommentare sind. Ein großer Teil der eingehenden Kommentare dreht, bzw. drehte sich um grundsätzliche Fragen der Hundeerziehung, Beleidigungen wurden aussprochen (gegen mich, aber auch gegen Martin). Ferner wurde versucht, eigene Wahrheiten zu patzieren etc. Dabei sei es hier nocheinmal angesprochen: Dieser Artikel ist weder ein Angriff gegen den Kollegen, noch möchte ich an dieser Stelle grundsätzliche "Wahrheiten" verbreiten oder gar "belehren". Das Ziel ist schlicht, dass mal darüber nachgedacht wird, welche Verantwortung man den Hunden gegenüber hat, wenn man sich öffentlich zu Erziehung äußert. Es ist wirklich erschreckend, wie auf solch einen Gedankeanstoß teilweise reagiert wird, und welche Grundsatzdiskussionen losgetreten werden. Ich sehe mich daher gezwungen, die Kommentarfunktion zu begrenzen. Ich bitte um Verständnis dafür - viele Kommentare, die ich nicht "durchlassen konnte" waren inzwischen wirklich viel zu weit weg vom Thema. Es sei auch erwähnt, dass dies ein BLOG ist und kein Forum ;-)

Donnerstag, 12. Januar 2012

Gastartikel: Von panischen Leinen-Klammerern und gedankenlosen Freilauf-Freunden

Heute möchte ich Ihnen einmal einen Gastartikel vorstellen. Gastartikel werde ich in Zukunft in unregelmäßigen Abständen im BLOG veröffentlichen, um auch mal andere "zu Wort" kommen zu lassen ;-) Ich wünsche viel Spaß beim Lesen des Artikels von Gastautorin Carolin Schulz-Osterloh:

 
Von panischen Leinen-Klammerern und gedankenlosen Freilauf-Freunden
Der gemeinsame Spaziergang mit dem Hund im Park – von einigen geliebt, von anderen gefürchtet. Denn in fast jedem Park gibt es etwas, das die ortsansässigen Hundebesitzer in zwei Lager spaltet: Der Umgang mit der Leine. Während die einen die Leine am Hals des Hundes haben, haben die anderen sie eigentlich immer nur locker wie einen Schal um den eigenen Nacken geschwungen.
„Siehst du den da drüben? Der lässt seinen armen Hund nie von der Leine!“ wird in der Gruppe der „schal“tragenden Freilauf-Freunde über den auch nach Jahren noch Unbekannten gelästert, der immer in großem Abstand vorbeihetzt und schnell eine andere Richtung einschlägt.
Denn die Freilauf-Freunde wollen vor allem eins: Dass ihr Hund sich richtig austobt, damit er zu Hause auch brav schläft. Dagegen ist auch grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden, ein gut erzogener und sozialisierter Hund soll rennen und mit Artgenossen spielen können. Doch gehört dazu auch ein Mensch, der ein Auge auf seinen Hund hat und kompetent ist, brenzlige Situationen rechtzeitig zu erkennen und zu entschärfen, indem er seinen Hund abruft.
Und das hat bei Weitem leider nicht jeder Freilauf-Freund drauf. Eine relativ große Untergruppe der Freilauf-Freunde bilden nämlich die gedankenlosen Freilauf-Freunde, die ihren Hund überall hinlaufen lassen, wo er gerade Lust zu hat – auch zu Leinenführern, von denen einige deshalb in kürzester Zeit zu panischen Leinen-Klammerern mutieren oder zumindest von den anderen als solche angesehen werden.
Denn was dem gedankenlosen Freilauf-Freund leider oft fehlt, ist die Erkenntnis, dass der in seinen Augen panische Leinenklammerer in den meisten Fällen vermutlich einen guten Grund hat, warum er seinen Hund an der Leine führt. Und in manchen Fällen wird der Grund ein Aggressionsverhalten des Hundes und/oder große Angst vor heranstürmenden Artgenossen sein.
Es sind auch noch unzählige andere gute Gründe denkbar wie eine Krankheit oder eine kürzliche Operation des Hundes. Es könnte auch noch banaler sein: Obwohl der Hund schon ausgewachsen ist, besteht im Zeitalter der importieren Straßenhunde ja auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Hund noch nicht so lange bei seinem neuen Besitzer ist oder einfach zum Weglaufen neigt, weil er den ersten Teil seines Lebens draußen gelebt hat.
„Nun ja“, mögen nun die gedankenlosen Freilauf-Freunde sagen, „dann besteht ja zumindest im letzten Fall kein Grund, meinen Hund nicht hinlaufen zu lassen.“ Aber auch hier gilt: Die einfache Frage an den Besitzer, ob ein Kontakt möglich ist, ist eine Frage der Sicherheit und des Respekts. Denn einerseits kann man dem Hund nicht ansehen, was der Grund für das Führen an der Leine ist und andererseits kann auch ein ausgelassen spielender Hund am anderen Ende der Leine schon mal für Probleme sorgen, wenn Herrchen oder Frauchen auf den Kontakt nicht wirklich vorbereitet waren.
Gerade größere und schwerere Hunde, die von einem Spielpartner überrascht werden und im Vollgas die Verfolgung aufnehmen, können den Halter schon mal den Bodenkontakt kosten oder auch für einen Hexenschuss sorgen. Wegschauende Freilauf-Freunde sind dabei genauso wenig hilfreich wie lachende oder sogar auch noch Stöckchen-werfende.
Mit Sicherheit gibt es noch zahlreiche weitere gute Gründe, die einen angeblichen oder tatsächlichen panischen Leinenklammerer vorübergehend oder dauerhaft zur Leine greifen lassen.
An dieser Stelle sei allerdings auch nicht vergessen, dass es tatsächlich leider auch Leute gibt, die keinen guten Grund haben, ihren Hund dauerhaft an der Leine zu führen. Aber die sind zum Glück vermutlich in der Minderzahl und deshalb sollte man als Freilauf-Freund nicht davon ausgehen, immer nur auf solche Exemplare zu treffen.   
Der Weg vom gedankenlosen zum verantwortungsbewussten Freilauf-Freund ist eigentlich gar nicht so weit, sobald die Bereitschaft zur Wandlung vorhanden ist. Grundvoraussetzung ist natürlich erst einmal ein Hund, der gut erzogen und somit in allen Situationen abrufbar ist.
Leider ist das Fehlen einer solchen Erziehung an sich schon oft der Hauptgrund, warum gedankenlose Freilauf-Freunde ihrem Hund alles durchgehen lassen: Sie sparen sich einfach die Blamage, dass ihr Hund sie ohnehin ignorieren würde, wenn sie ihn rufen. Dass dies ein beachtliches Sicherheitsrisiko in vielerlei Hinsicht darstellt, muss wohl nicht extra betont werden.
Der nächste Schritt zum verantwortungsbewussten Freilauf-Freund ist dann eigentlich nur noch, ein Auge auf seinen Hund zu haben und ihn bei entgegenkommenden Hunden erst mal zu sich zu rufen, bis man mit dem Besitzer abklären konnte, ob irgendetwas gegen einen Kontakt der Hunde spricht. Besonders, wenn der Entgegenkommende seinen Hund an der Leine hat. Denn seine Möglichkeiten, ein Aufeinandertreffen zu verhindern, sind relativ begrenzt.
Allerdings gibt es auch ein paar Verhaltensweisen, die in Situationen helfen können, in denen sich ein Hund unkontrolliert oder vielleicht sogar unbeaufsichtigt nähert.
In erste Linie ist es sehr wichtig, vom panischen Leinenklammerer zu einem ausgeglichenen, selbstbewussten Leinenführer zu werden. Hunde haben sehr feine Antennen für die Stimmungen ihrer Besitzer. Merken sie, dass dieser sich verkrampft und Angst hat, wird auch der Hund unsicher und schneller aggressiv reagieren, weil er eventuell sogar das Gefühl hat, sein Herrchen oder Frauchen verteidigen zu müssen. Ähnlich verhält es sich, wenn der Besitzer wütend wird und flucht. Dann wird sein Hund ihm bei der Vertreibung des ungebetenen Besuchs behilflich sein wollen.
Ein Besitzer dagegen, der die Ruhe bewahrt und seinem Hund das Gefühl vermittelt, dass er die Situation im Griff hat und der Hund sie nicht regeln muss, kann so manche brenzlige Situation entspannen. Hat der eigene Hund Angst vor dem herannahenden Artgenossen, kann man souverän und bestimmt zwischen den eigenen und den kommenden Hund treten und diesen so zum Abdrehen bringen oder zumindest etwas auf Abstand halten.
Ist der eigene Hund dagegen (zu sehr/auf aggressive Weise) am Kontakt mit dem Herannahenden interessiert, hilft es nur, mit dem eigenen Hund ein Ersatzverhalten wie „Bei Fuß“ zu trainieren. Dabei kann es auch noch hilfreich sein, nicht frontal weiter auf den anderen Hund zuzugehen, sondern einen Bogen zu laufen. Für Hunde ist dies das Signal einer freundlichen Annäherung.
Man sollte jedoch auch nie vergessen, dass niemals alle Hundekontakte gänzlich umgangen werden sollten. Für einen Hund ist das Zusammentreffen mit seinen Artgenossen wichtig und er sollte auf keinen Fall das Gefühl bekommen, dass alle anderen Hunde eine Bedrohung darstellen.
Dabei kann man dann vielleicht auch selbst mit dem ein oder anderen gedankenlosen Freilauf-Freund ins Gespräch kommen und ihm die eigene Lage erklären. Denn Wissen schafft oft auch Verständnis.

Freitag, 6. Januar 2012

Antiautoritäre Umfrage zum Nachdenken. Wie erziehen sich eigentlich Hunde?

(c) Thomas Riepe 2010

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es mein subjektives Empfinden ist, oder ein objektiver Eindruck. Auf jeden Fall glaube ich zu beobachten, dass unter den Menschen, die sich mit Hunden und “Hundeerziehung” beschäftigen, immer häufiger von “antiautoritärer Hundeerziehung” die Rede ist. Ohne dass ich eigentlich weiß, was das eigentlich sein soll. Gibt es so etwas überhaupt, oder endet die “Antiautorität” nicht schon, wenn ich dem Hund nicht erlaube, dass Haus ohne mich zu verlassen, ihn faktisch einsperre und in seiner Bewegungsfreiheit behindere? Endet Antiautorität nicht schon, wenn ich meinem Hund die Leine anlege - egal welchem “Erziehungsmodell” ich auch sonst folge?

Gern wird, wieder nach meinem subjektiven Empfinden, abschätzig von antiautoritärer Hundeerziehung gesprochen, wenn man sehr autoritäre bis aversive Erziehungsmethoden rechtfertigen möchte. Um diesem Phantom der antiautoritären Hundeerziehung auf den Grund zu gehen, betreibe ich zur Zeit einige Recherchen, die zu einem Artikel führen sollen, der sich näher damit beschäftigt. Er wird ca. Ende Januar hier zu lesen sein. Im Rahmen der Recherchen würde ich aber gern mal wieder die Leser dieses BLOGS um Mithilfe bitten. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir in der Kommentarfunktion die nachfolgenden Fragen einmal beantworten würden. Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Mitarbeit! 

1. Welche Grenzen setzen sich Ihrer Meinung nach die Vorfahren unserer Haushunde, die Wölfe, innerhalb eines freilebenden Rudels, welches sich als Familienverband darstellt (Elterntiere, ca. 2 - 3 Monate alte Welpen und ca. 2 - 3 Jungwölfe, geboren vor ca. 14 bis 15 Monaten). Und was bringen die Alttiere den Jungen gezielt bei? 

2. Weil ich weiß, dass viele sicher an dieser Stelle bemerken möchten, dass Wölfe keine Hunde sind, möchte ich die gleiche Frage stellen, die Wölfe jedoch gedanklich durch Haushunde ersetzen. Aber spezielle Haushunde:
Welche Grenzen setzen sich Ihrer Meinung nach Straßenhunde in Delhi (Indien), wenn Sie innerhalb einer Gruppe (einer “Gang”) von Hunden leben. Was wird den Mitgliedern der Gruppe verboten, was erlaubt. Und was bringen Alttiere Jungtieren gezielt bei? 

3. Bei der dritten und letzten Frage möchte ich Sie gern einmal bitten, falls Sie früher Erfahrungen damit gemacht haben, oder vielleicht aktuell sogar noch machen, an Bauernhunde zu denken, die frei auf einem Gehöft leben konnten oder können. Wenn zwei oder drei Hunde frei auf einem Gehöft leben und den Tag relativ selbstständig auf dem Hof und in der näheren Umgebung gestalten können, welche Grenzen setzen sich die Hunde untereinander - was erlauben sie sich und was verbieten sie sich gegenseitig? Und wenn Junghunde bzw. Welpen dabei sind, was bringen ältere Hofhunde den Jungen gezielt bei?


Ich würde mich über eine Teilnahme von Ihnen an dieser Befragung freuen, weil mir das bei der Recherche und Interpretation aus folgendem Grund weiterhelfen würde: Dadurch kann ich erfahren, wie andere das angesprochene hündische Verhalten einschätzen und ggf. einen Schluss ziehen, was Menschen für „normales“ oder „arttypisches“ Verhalten halten. Und vielleicht eine Erkenntnis finden, was man für autoritäres Verhalten unter Hunden hält…

Hund, Leine, Fahrrad und Geschwindigkeit. Gute Beschäftigung oder dumme Idee?

Da war sie wieder. Diese Szene die ich schon „ich weiß nicht wie oft“ gesehen habe. Und über die ich mich jedes Mal nicht nur ärgere. Nein, ...