Dienstag, 23. August 2011

Mitgefühl unter Hunden?

Meine Hündin Koka (Samojedin) darf nicht ins Schlafzimmer. Erziehungs- oder Rangordnungsgeplänkel von meiner Seite? Wohl eher weniger. Wer mich, meine Arbeit und meine Texte kennt, würde sich sicher wundern… Nein, mir ist es vollkommen egal wo sich meine Hunde hinlegen – naja, nicht so ganz, das neue Ledersofa ist (noch) tabu. Wenn Sie im Bett ein freies Fleckchen nutzen möchten sind Sie herzlich willkommen. Rüde Puzzel (Schäferhund-Yorki-Mix) macht das auch manchmal, allerdings seltener im Sommer. Koka würde das Angebot des Bettes vielleicht auch mal nutzen, aber Sie darf ja nicht ins Schlafzimmer. Puzzel, der manchmal das Bett mit nutzt, liegt vorzugsweise in seinem eigenen Bett direkt vor meinem. Mit Blick zur Schlafzimmertür. Wenn sich Koka der Tür nur nähert, wird geknurrt und sie tritt ohne zu murren den Rückzug an. Puzzel erlaubt Koka also nicht, das Schlafzimmer zu nutzen, ja er erlaubt ihr nicht einmal das Betreten. Da mische ich mich übrigens nicht ein, das ist ausschließlich Sache der Hunde untereinander.

„Dann ist Puzzel sicher der Boss unter den Hunden“, wird sich jetzt mancher denken. Vielleicht, aber objektiv betrachtet ist er wohl nur der Schlafzimmerboss. In den meisten anderen Situation nimmt Koka ihn nicht wirklich ernst. Wenn er ihr irgendwo im Weg steht, wird er einfach weggeschoben und weggerempelt – sei es der Platz vor dem Sofa, wo man Herrchen immer so schön zum Streicheln auffordern kann, oder bei der Leckerchengabe. Koka schubst Puzzel immer weg und sichert sich den „besseren Platz“. Obwohl er dann genauso knurrt wie im Schlafzimmer – er zieht immer, zwar meckernd, von dannen. Man kann also bei den beiden beim besten Willen nicht ausmachen, wer nun mehr oder weniger zu sagen hat, wer so etwas wie der „dominante Part“ ist. Jeder hat die Dinge, wo er sich durchsetzt oder auch mal nachgibt. Rangordnungs- und Dominanztheorien sind ihnen dabei völlig egal. Letztlich sind sie unter dem Strich ein dermaßen harmonisches Paar, wie ich es selten unter Hunden erlabt habe. Sie verstehen sich blind. Nur dieses „Schlafzimmer ist für Koka tabu“, wundert mich wirklich, weil sie sich sonst gut durchsetzen kann. Es ist aber wie es ist.
 Nur in der letzten Nacht geschah etwas Merkwürdiges. Es ging ein starkes Gewitter mit Sturm und Hagel hernieder. Der Hagel hämmert dermaßen an die Jalousien, dass selbst mir etwas mulmig wurde. Zudem der Lärm nicht durch geschlossene Fenster gedämpft wurde, innen waren die Fenster geöffnet und nur der Kunststoff der Jalousien schütze uns vor den Hagelkörnern. Die Lärmkulisse war wirklich einschüchternd. Puzzel, vor meinem Bett schlafend wie immer, störte die Akustik nicht im Geringsten. Er öffnete kurz die Augen und stieß einen Seufzer aus, als wolle er sagen: „Was soll der Krach, der stört mich beim Schlaf“. Das war aber seine ganze Reaktion. Koka hingegen verhielt sich völlig anders. Eigentlich kann sie Lärm auch nicht aus der Ruhe bringen. Sylvesterknallerei, Jägerknallerei, ja sogar Sprengungen in den hiesigen Steinbrüchen stören sie nicht, selbst wenn wir nur wenige hundert Meter entfernt sind. Aber dieser Hagel, der an unsere Fenster schlug, machte ihr richtig Angst. Vermutlich dachte sie, irgendwelche Monster wollten eindringen. Sie taperte also sichtlich ängstlich im Flur umher. Ich wollte gerade aufstehen um ihr etwas bei der Entspannung zu helfen, als sie ins Schlafzimmer, an mein Bett marschierte. Und das Merkwürdige: Puzzel sagte nichts, er ließ sie hinein und ich konnte sie trösten, während sie meine Nähe suchte. Übrigens: Ja, man darf Hunde trösten – das hilft bei der Entspannung in solchen Situationen. Nur wenn man sie tröstet, wenn sie noch gar keine Angst vor etwas haben, kann sie das verunsichern. Aber einem Hund, der definitiv Angst hat, bitte Trost geben und unterstützen!
Gut, das wirklich Bemerkenswerte an dieser Situation war, dass Puzzel Koka (die sichtlich verängstigt war) erlaubte ins Schlafzimmer zu kommen. Als das Gewitter vorbei war, schritt die entspannte Koka übrigens selbstbewusst wie immer aus dem Schlafzimmer. Als sie es sich im Türrahmen noch einmal überlegen wollte und zurückkehren, knurrte Puzzel wie immer – und sie ging ins Arbeitszimmer, wo sie sonst schläft. Ich könnte jetzt lange dieses Verhalten von Puzzel analysieren und mir über das Warum den Kopf zermartern. Warum verhielt er sich in dieser speziellen Situation so anders als sonst im Bezug auf seine Partnerin. War es Mitgefühl? Oder darf man ein solches Wort im Bezug auf Hundeverhalten nicht benutzen? Vor allem, wenn man professionell mit Hunden arbeitet? „Vermenschliche“ ich Puzzel dadurch? Ist mir ehrlich gesagt egal. Und ich werde auch nicht zu lange über die Verhaltensgründe nachdenken. Einfach hinnehmen…
Und Sie liebe Leser können sich natürlich ihr eigenes Bild machen und für sich entscheiden, ob Puzzel Mitleid mit Koka hatte.
Koka und Puzzel liegen vertraut nebeneinander. Nur Nachts wird getrennt geschlafen, da ist Puzzel streng...

1 Kommentar:

  1. Ich habe das eigentlich immer anderes gesehen... meine Hündin legte sich oft mitten in die Schlafzimmertür, und blockierte damit unseren Rüden. Der akzeptierte es so gut wie immer. Wenn der Rüde aber unbedingt rein wollte, dann ging er einfach rein. Meiner Hündin blieb dann das "Schnapp" förmlich im Halse stecken und sie schaute ziemlich überrascht aus der Wäsche. Für mich sah es so aus, als ob mein Rüde es nur dann durchsetzt wenn es ihm wirklich wichtig war, und genau das hat meine Hündin, die ihn ansonsten mit Blicken lenken konnte, dann auch akzeptiert.

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