Donnerstag, 28. Juli 2011

Verunsicherung durch Leinenimpuls und Co. – Ist das mentale Gewalt?

Viele Hundetrainer und Hundeexperten sprechen gern von gewaltfreier Hundeerziehung. Sie meinen damit, dass Sie keine, für jeden sichtbare Methoden anwenden, die dem Hund Schmerz und Leid zufügen. Das heißt, sie schlagen die Hunde nicht oder rucken nicht so stark an der Leine, dass die Hunde „durch die Gegend“ fliegen und sie benutzen auch keine Stachelhalsbänder. So weit, so gut – die Tatsache ist durchaus löblich, gerade in einer Zeit wo Hundetrainer, die auch offen brutale Methoden bei der Hundeerziehung zeigen, einen regen Zuspruch erfahren. Aber sind Trainer, die sich „Gewaltfrei“ praktisch als eine Art Gütesiegel auf ihre Fahnen schreiben, wirklich immer vollkommen Gewaltfrei? Oder gibt es Methoden in der Hundeerziehung, die zwar auf den ersten Blick „harmlos“ aussehen, aber in ihrer Wirkung ähnlich negative Auswirkungen haben wie offen ersichtliche Gewalt? Gibt es in der Hundeerziehung mentale Gewalt?

Mentale Gewalt, eine Definition
Um sich dem Thema etwas anzunähern, sollte man erst einmal abklären, was hinter den Wörtern „mentale Gewalt“ (auch „psychische Gewalt“) steckt. Dabei ist es allerdings recht schwer, eine einheitliche Definition zu finden – vor allem, weil sich die Wissenschaft mit der Forschung bzgl. der psychischen Gewalt gegenüber Tieren bislang recht zurückhaltend verhält. Darum seien an dieser Stelle die Erläuterungen zugrunde gelegt, mit denen man psychische Gewalt gegenüber Menschen allgemein definiert. Natürlich kann man Mensch und Hund nicht pauschal miteinander vergleichen, allerdings sind die Gehirne von Säugetieren (zu denen der Mensch zweifelsfrei zählt)  so ähnlich aufgebaut, dass man neurobiologische Wirkungsweisen durchaus übertragen kann. Psychische Gewalt ist vielfältig, daher seien hier nur einige, immer wieder benannte Faktoren aufgezählt: Psychische Gewalt ist unter anderem…
…wenn jemandem mutwillig Angst gemacht wird, wenn jemand eingeschüchtert wird, wenn jemand klein gemacht, klein gehalten, abgewertet oder gezielt entmutig, verunsichert wird. Psychische Gewalt ist aber auch immer subjektiv zu sehen, dass heißt, dass jedes Individuum sein emotionales und existentielles Empfinden anders gewichtet. Knapp ausgedrückt: Es gibt Individuen mit „dickem Fell“, es gibt Sensibelchen und eine Menge dazwischen…
Erwähnt werden sollte auch, dass eine Orientierungslosigkeit aufgrund fehlender Grenzen bei einigen Individuen ebenfalls wie psychische Gewalt wirkt – aufgrund von daraus resultierender Verunsicherung. Keinesfalls dürfen diese Grenzen aber mit weiterer Verunsicherung gesetzt werden.
Mit der Angst eines Hundes, mit Einschüchterung und Verunsicherung zu arbeiten ist also psychische Gewalt. Warum diese Form von Gewalt so besonders heimtückisch ist, möchte ich Ihnen gern anhand einer möglichen Folge der mentalen Gewalt, der Depression erläutern.
Depression
Immer dann, wenn ein Säugetier einer Situation ausgesetzt wird, die seinen Körper ungewöhnlich und stark fordert, wird das Stresshormonsystem aktiviert. Unter anderen wird das Stresshormon Cortisol produziert, welches, wenn es ins Blut gelangt, den Körper darauf vorbereitet, der außergewöhnlichen Situation zu begegnen. Der Körper wird Kampf- und Verteidigungsbereit. Den Körper belastet dieser „Verteidigungsmodus“ stark und deshalb kann und sollte dieser Zustand nicht zu lange andauern. Eben nur für die Zeit der Verteidigung, nach bereinigter Situation wird der Körper hormonell wieder in den Normalzustand zurückgefahren. Die Rückführung in den Normalzustand erfolgt über die körperliche Aktion als Abbau der Stresshormone oder über den Neurotransmitter (den Botenstoff) Serotonin, der auch den Abbau der Stresshormone herbeiführt. Wie gesagt, das funktioniert, wenn der belastende Zustand nur einen kurzen Zeitraum einnimmt. Ist die Belastung länger, oder gar dauerhaft, kann es passieren, dass der Körper die Gleichgewichtung von Stresshormonen und deren Abbau nicht mehr regeln kann und eine Art „Notbremse“ zieht um der dauerhaften Belastung zu entgehen. Das äußert sich in einer absoluten Lustlosigkeit und Antriebsarmut. Keine Bewegung hat aber zur Folge, dass auch seltener Glückshormone den Körper und die Psyche „wieder aufbauen“. Ein Kreislauf entsteht, der das betroffene Wesen mental immer weiter herunterzieht und es sich nicht mehr „wohlfühlen“ kann – es leidet psychisch, seelisch. Dieses seelische Leiden, diese empfundene Ausweglosigkeit, ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Bei Depressionen ist das Stresshormon Cortisol dauerhaft erhöht und am entgegenwirkenden Neurotransmitter Serotonin liegt ein Mangel vor. Eine Depression kann wie beschreiben durch eine dauerhaft belastende Angst, Unterdrückung oder Verunsicherung ausgelöst werden.
Dauerhafte Belastungen
Eine solche dauerhafte Belastung beim Hund kann zum Beispiel sein, wenn man ihn mit so genannten Sprühhalsbändern „ausbildet“, bei denen der Wasserstrahl für den Hund nicht kalkulierbar, „aus heiterem Himmel“ kommt und der Hund dauerhaft verängstigt und verunsichert ist, weil er ständig auf einen neuen Strahl wartet. Eine dauerhafte Belastung ist aber natürlich auch ein ständiges Unterdrücken und Einschüchtern, was auch einen dauerhaft erhöhten Stresslevel und somit erhöhten Cortisolspiegel begünstigt. Mit den möglichen Folgen der beschriebenen Depression…
…genau wie bei der Verunsicherung durch Leinenruck und Leinenimpuls.
Leinenimpuls als bewusste Verunsicherung
In einem deutschen Hunde Lifestyle-Magazin rät in der Dezemberausgabe 2010 z. B. ein bekannter Hundetrainer dazu, dem Hund die Leinenführigkeit über den so genannten „Leinenimpuls“, mit einem 10 Punkte Plan, beizubringen. Ich kann hier nicht die 10 Punkte komplett aufführen, möchte aber Sinngemäß wiedergeben, wie sich diese Methode für mich darstellt. Der Hundetrainer nennt ein kurzes, ruckartiges Ziehen an der Leine, Leinenimpuls. Dieser „Leinenimpuls“ soll in bestimmten Situationen genutzt werden, z. B. wenn der Hund schnüffelt. Das Ziel ist, dass der Hund bei jedem Leinenimpuls verunsichert wird und zum Besitzer schaut, sich am Menschen orientiert. Durch häufiges wiederholen soll der Hund bewusst so verunsichert werden, dass er, während er neben dem Besitzer läuft, ständig zu diesem schaut – weil er weiß, es kommt irgendwann der „Leinenimpuls“. Der Hund soll also nur auf seinen Menschen schauen, wenn er es nicht macht, kommt ein Ruck. Durch dieses Konzentrieren auf den Besitzer bekommt der Hund auch mit, wenn der Mensch die Richtung wechselt. Wechselt der Hund auch die Richtung, ist es gut, wenn nicht, gibt es eben einen Ruck, einen „Impuls“. Damit der unangenehme Ruck ausbleibt, wird der Hund irgendwann lernen, jeden Richtungswechsel seines Besitzers mitzumachen. Fazit des Trainers ist, dass der Hund, über diesen „Leinenimpuls“ bewusst verunsichert werden soll, um ständig seinen Besitzer und dessen Handlungen im Blick zu behalten. Dieser Hundeexperte arbeitet also ganz bewusst mit der dauerhaften Verunsicherung – die, wie bereits erläutert, zu einem hormonellen Ungleichgewicht führen kann, welches für den Hund letztlich eine psychische Qual bedeutet. Der Leinenimpuls ist also, wie hier in einem anderen Blogartikel bereits erläutert, nicht nur körperliche, schmerzhafte Gewalt. Leinenimpulse können auch mental höchst gewaltsam wirken und das Wohlbefinden eines Hundes nachhaltig negativ beeinflussen…

Donnerstag, 21. Juli 2011

Von Freiheiten und Begrenzungen unter Hundeartigen…

Seit vielen Jahren widme ich der Tierfamilie der Hundeartigen meine besondere Aufmerksamkeit. Um die Mitglieder dieser Familie besser verstehen zu können besuche ich und beobachte ich sie gern und regelmäßig in ihrem natürlichen Lebensraum. Zur Familie der Hundeartigen gehören natürlich nach auch unsere Haushunde, die die domestizierte Form der Wildhundart Wolf sind. Und natürlich habe ich auch Wölfe und Haushunde in verschiedensten Lebensräumen beobachtet und studiert. Diese Beobachtungen haben mir persönlich weit mehr Erkenntnisse geliefert, als alle Theorien und „Weisheiten“, mit denen Hundehalter in allen Variationen konfrontiert werden. Ich möchte an dieser Stelle einmal ein spezielles Thema aufzeigen, dessen Deutung ich hier nicht vorgeben möchte, sondern dem Leser die Möglichkeit einräume, sich daraus ein eigenes Bild zu formen und im besten Fall einmal darüber nachzudenken, ob die bisherige Behandlung des eigenen Hundes bzw. ob das Verständnis des Hundes dem wirklichen Wesen dieser Tierart entspricht. Mit dem Thema, welche Freiheiten und welche Begrenzungen dem natürlichen Verhalten eines Hundes entsprechen.
Schauen wir uns dazu als erstes den Stammvater der Hunde, den Wolf an. Und schon hier werden wir feststellen, dass das allgemein verbreitete Bild vom Verhalten der Wölfe sich nicht mit meinen Erfahrungen deckt, aber auch nicht mit den Erfahrungen anderer Wolfsbeobachter, die Wölfe in ihrem natürlichen Lebensraum und in Freiheit beobachten konnten. Ich möchte hier nicht im Einzelnen und im Detail auf das komplette Sozialleben der Wölfe eingehen, weil dies für einen Artikel schlicht zu umfangreich wäre. Am Ende werde ich Ihnen aber Literaturhinweise geben, wo sie genaue Daten über den Wolf erfahren können - die auch den aktuellen Wissensstand wiederspiegeln.
Wölfe und Freiheiten
Kommen wir also an dieser Stelle zu einem Teilbereich des wölfischen Soziallebens. Zu den Grenzen und Beschränkungen, denen sich ein Wolf unterordnet, bzw. die ihm aufgelegt werden. Ein Wolf wird zurechtgewiesen, bzw. hat mit Zurechtweisung zu rechnen, wenn er einem anderen Mitglied der jeweiligen Familie eine Ressource (auch die Ressource Sexualpartner) streitig macht, bzw. wegnehmen möchte. Konkret heißt das, dass ein Individuum, welches sich z.B. ein Stück Nahrung gesichert hat, dieses gegen andere verteidigt und es nicht zulässt, dass ihm diese Nahrung weggenommen wird. In aller Regel wird die Ressource, hier die Nahrung, auch gegen Tiere verteidigt, die im Rang höher stehen. Auch wird ein guter Liegeplatz verteidigt und andere, die diesen Platz besetzen wollen, werden in ihrem Vorhaben begrenzt. Weiter werden Grenzen gesetzt in der sozialen Interaktion. Das heißt, wenn ein Tier im sozialen Kontext zu aufdringlich, bzw. zu robust agiert und es dem anderen unangenehm wird, wird die Handlung im Allgemeinen abgebrochen – meist durch ritualisierte körpersprachliche Mittel und max. Androhungen von Gewalt bis zu Remplern – in den seltensten Fällen allerdings mit ernsthaften Gewaltmitteln, falls die unangenehme Handlung nicht unterbrochen wird. Erwachsenen Wölfen werden also nur Grenzen gesetzt, wenn es um die Verteidigung von Nahrung oder anderen Ressourcen geht. Grundsätzlich niemals wird einem Wolf von irgendeinem anderen Mitglied der Familie, des Rudels, irgendetwas „verboten“, bzw. wird ein Rudelmitglied niemals zum Abbruch folgender Handlungen gezwungen: Entfernen von der Gruppe, selbstständig zu jagen, eigene Revierstreifzüge vorzunehmen oder Feinde in die Flucht zu schlagen. Grenzen werden also nur im direkten sozialen Kontext zwischen Individuen gesetzt – in allen anderen Tätigkeiten ist ein Wolf vollkommen frei. Er kann kommen und gehen wann er möchte, jagen so viel und so oft er möchte, sich hinlegen wo er möchte – solange der ausgesuchte Platz von keinem anderen Gruppenmitglied zur gleichen Zeit beansprucht wird. Nur Welpen werden von Eltern bzw. Babysittern daran gehindert, sich von der Gruppe zu entfernen – aus Sicherheitsgründen. Also, obwohl wir Menschen immer annehmen, dass Wölfe in einem absolut streng geregelten, hierarchischen System leben, können sie sehr frei entscheiden, was sie tun oder nicht – solange sie soziale Regeln im direkten Bezug zu den anderen Mitgliedern des sozialen Verbands einhalten.
Wölfe in den USA (c) Thomas Riepe
Gut, ich spüre förmlich, wie viele Leser jetzt reflexartig denken, dass Hunde ja keine Wölfe mehr sind. Das ist natürlich richtig – aber auch falsch. Vereinfacht könnte man sagen, dass Haushunde Wölfe sind, die an den Lebensraum Mensch angepasst sind. Wie das im Einzelnen aussieht, kann man ebenfalls den Literaturhinweisen am Ende entnehmen.
Aber verlassen wir das Sozialleben der Wölfe und nähern uns den Haushunden an. Denn auch diese wurden „Opfer“ meiner Beobachtungen. Und da im Speziellen Haushunde, die noch in sehr ursprünglichem Verhältnis zu „ihren“ Menschen stehen. Wie z. B. Dorfhunde in Afrika.
Dorfhunde in Tansania
Also, nun zu den Grenzen und Beschränkungen denen sich ein afrikanischer Dorfhund unterordnet, bzw. die im auferlegt werden. Er wird zurechtgewiesen, bzw. hat mit Zurechtweisung zu rechnen, wenn er einem anderen Mitglied der jeweiligen Familie eine Ressource streitig macht, bzw. wegnehmen möchte. Konkret heißt das, dass ein Individuum, welches sich z.B. ein Stück Nahrung gesichert hat, dieses gegen andere verteidigt und es nicht zulässt, dass ihm diese Nahrung weggenommen wird. In aller Regel wird die Ressource, hier die Nahrung, auch gegen Tiere verteidigt, die im Rang höher stehen, aber auch gegen Menschen. Auch wird ein guter Liegeplatz verteidigt und andere, die diesen Platz besetzen wollen, werden in ihrem Vorhaben begrenzt. Weiter werden Grenzen gesetzt in der sozialen Interaktion. Das heißt, wenn ein Tier im sozialen Kontext zu aufdringlich, bzw. zu robust agiert und es dem Anderen unangenehm wird, wird die Handlung im Allgemeinen abgebrochen – meist durch ritualisierte körpersprachliche Mittel und max. Androhungen von Gewalt bis zu Remplern – in den seltensten Fällen allerdings mit ernsthaften Gewaltmitteln. Falls die unangenehme Handlung nicht unterbrochen wird. Erwachsenen Dorfhunden werden also nur Grenzen gesetzt, wenn es um die Verteidigung von Nahrung oder anderen Ressourcen geht. Grundsätzlich niemals wird einem Dorfhund von irgendeinem anderen Mitglied der Familie, der sozialen Gruppe, irgendetwas „verboten“, bzw. wird ein Gruppenmitglied niemals zum Abbruch folgender Handlungen gezwungen: Entfernen von der Gruppe, selbstständig zu jagen oder Nahrung zu sammeln, eigene Revierstreifzüge vorzunehmen oder Feinde in die Flucht zu schlagen. Grenzen werden also nur im direkten sozialen Kontext zwischen Individuen gesetzt – in allen anderen Tätigkeiten ist ein Dorfhund vollkommen frei. Er kann kommen und gehen wann er möchte, Ratten und Mäuse jagen so viel und so oft er möchte (aber natürlich keine Hühner oder andere Nutztiere, tun Dorfhunde aber von sich aus auch selten, weil diese zum sozialen Umfeld gehören), sich hinlegen wo er möchte – solange kein anderer im gleichen Moment den Platz beansprucht. Nur Welpen werden von Alttieren bzw. Babysittern daran gehindert, sich von der Gruppe zu entfernen – aus Sicherheitsgründen.
Das vorher beschriebene soziale Modell wird übrigens von allen Mitgliedern der sozialen Gruppe gleichermaßen akzeptiert und angewendet. Menschen und Hunden. Erziehung oder ähnliches kennen die Afrikaner, bei denen ich Hunde beobachten durfte nicht. Soziale Interaktionen mit Grenzen und Regeln – das war es. Mit sehr viel Freiheiten…
Also, obwohl wir Menschen immer annehmen, dass Hunde in einem absolut streng geregelten hierarchischen System leben, können Dorfhunde sehr frei entscheiden, was sie tun oder nicht – solange sie soziale Regeln im direkten Bezug zu den anderen Mitgliedern des sozialen Verbands einhalten.
Klingt wie eine Wiederholung des Wolfsabschnitts? Ist es auch, beschreibt aber auch das Sozialleben afrikanischer Dorfhunde…
Dorfhund in Tansania (c) Thomas Riepe
Wenn ich jetzt noch weitere Beispiele der von mir persönlich beobachteten Hundeartigen, ob „wild“ oder domestiziert anführen würde, wäre die Gefahr von Wiederholungen erneut sehr groß. Denn auch bei domestizierten Ranchhunden, bei Dingos, Kojoten – aber auch Füchsen, ist das Verhältnis von Begrenzungen und Freiheiten ähnlich. Eigentlich sind die Begrenzungen überall sehr gering und nur im direkten sozialen Kontext, meist bezogen auf Ressourcen, zu sehen. Außerhalb des sozialen Rahmens gibt es praktisch keine Grenzen und Beschränkungen der einzelnen Individuen. Ich halte es auch für wichtig hier zu erwähnen, dass dieses Verhältnis von Begrenzungen und Freiheiten auch bei „modernen“ Hunderassen zu finden waren (und natürlich auch sind), also nicht nur bei ursprünglichen Dorfhunden in Afrika, sondern auch bei Ranch- und Bauernhunden in Amerika und Australien. Diese Hunde gehörten verschiedensten Rassen an. Bordercollies, Labradore, Münsterländer, Terrier aller Art und weitere eigentlich spezialisierte Hunderassen der heutigen Zeit. Interessant ist die Beobachtung, dass deren Verhalten im sozialen Bereich letztlich dem von Wölfen und ursprünglichen Hunden sehr ähnelt, solange der Mensch ihnen nicht von morgens bis abends vorschreibt, was sie nicht tun dürfen. Begrenzungen und Freiheiten der Ranch- und Bauernhunde entsprechen also im Wesentlichen den vorher beschriebenen Wölfen und auch Dorfhunden. Ebenfalls als interessant kann man die Feststellung interpretieren, dass von relativ frei lebenden Hunden so gut wie keine Aggressionen gegenüber Menschen zu verzeichnen sind – außer natürlich im Fall von Tollwut. Unerzogene, gesunde Dorfhunde aus Afrika beißen, laut Aussage der einheimischen Bevölkerung sehr selten – auf jeden Fall seltener als Hunde aus Deutschland, die eine umfangreiche Erziehung hinter sich haben. Ist daran vielleicht die Erziehung an sich schuld? Oder die Methoden der Erziehung? Vielleicht sogar, wenn die Erziehung und die Methoden auf einem ganz anderen Bild, einer ganz anderen Ansicht des natürlichen Hundeverhaltens beruhen, als dem Bild, welches der Realität entspricht? Wenn man zum Beispiel die Hundeerziehung nur auf Begrenzung und Verboten aufbaut?
Nur eine Anregung zum Nachdenken
Dieser Artikel soll nicht als der Weisheit letzter Schluss gelten und alle Fragen der Problematik der „modernen“ Hundeerziehung ansprechen oder gar lösen. Ganz im Gegenteil. Mir ist natürlich vollkommen klar, dass wir in der heutigen Gesellschaft nicht ohne Grenzen und Verbote auskommen. Aber ich möchte hier aufzeigen, dass Hunde keine Lebewesen sind, die von Natur aus nur begrenzt werden und denen man keine Freiheiten zugestehen darf – weil sie dann nach Ansicht einiger „Hundeexperten“ gefährlich würden, die „Chefrolle“ anstreben würden oder ähnlichen Unfug. Diese Zeilen sollen Sie nur zum Nachdenken anregen, vielleicht einmal zu überdenken, ob Sie Ihren Hund, seine Veranlagungen und Bedürfnisse immer verstehen. Oder ob die Hundetrainer, die immer nur von Grenzen und Beschränkungen reden, wirklich recht haben. Machen Sie sich Gedanken und bilden Sie sich ihre eigene Meinung.
Hier konnte ich nur auf einen kleinen Teil des natürlichen Soziallebens der Hunde eingehen, werde das aber in folgenden Artikeln vertiefen. Dann möchte ich Ihnen auch näher bringen, wie man natürliche Freiheiten etc. im Hundealltag „simulieren“ kann – allerdings mit den Grenzen, die unsere Umwelt verlangt…


Literaturtipps zu Grundlagen des Sozialverhaltens:

-       Veröffentlichungen von David Mech  http://www.npwrc.usgs.gov/staff/mech.htm

-       Auge in Auge mit dem Wolf: 20 Jahre unterwegs mit frei lebenden Wölfen von Günther Bloch und Peter A. Dettling von Franckh-Kosmos Verlag


-       Hundeartige: Das Nachschlagewerk der Wild- und Haushunde von Thomas Riepe von Animal Learn Verlag 

Dieser Artikel „Von Freiheiten und Begrenzungen unter Hundeartigen…“ ist Bestanteil des Projekts „Zurück zum Hund“ von T. Riepe

Freitag, 15. Juli 2011

Maske aus Glas

„Wer ist hier der Schlaumeier?“ Diese Frage stelle ich mir in meinem aktuellen, gerade erschienen Buch. Sind tatsächlich die Menschen die schlaueren Wesen innerhalb der Beziehung zwischen Menschen und Hunden? Oder etwa doch die Hunde? Bei den skurrilen Geschichten, die ich täglich mit den Hauptdarstellern Mensch und Hund erlebe, ist diese Frage noch nicht abschließend geklärt. Klar ist allerdings, dass Hunde und Ihre Menschen Geschichten liefern, die einen höchst unterhaltsamen, aber auch lehrreichen Wert haben. Eine Geschichte aus dem Buch möchte ich Ihnen Hier gerne vorstellen. Wenn Ihnen die Geschichte gefällt und Sie noch mehr davon lesen möchten, würde ich mich freuen, wenn Sie sich für das gesamte Buch interessieren würden. Bestellen können Sie es z. B. hier: http://www.amazon.de/gp/product/3927708623

Und hier die Geschichte "Maske aus Glas":
Eigentlich bin ich der Typ Mensch, der eher die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede zwischen Menschen und Tieren sucht. Aber es gibt merkwürdige Eigenschaften, die Menschen tatsächlich zu einmaligen Wesen machen. Dazu gehört zum Beispiel, sich ständig neuen Trends und Moden anpassen zu müssen. Mode gibt es nur unter Menschen. Psychologen erklären Mode gern mit dem Grundbedürfnis nach Aufmerksamkeit, aber auch mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit und Zusammenhalt. Ein Widerspruch? Natürlich, aber ist der Mensch nicht ein Widerspruch an sich?
Eines Tages wurde ich zu einem solchen Widerspruch auf zwei Beinen gerufen, weil der Hund dieser Dame plötzlich „aggressiv“ geworden wäre. Der Termin sollte in dem Geschäft der Dame stattfinden, welches sich in einer belebten Fußgängerzone einer mittelgroßen Stadt befand. Der Hund der Frau, eine Englische Bulldogge, verbrachte den Tag immer bei seinem Frauchen im Laden, der „modische Accessoires für die Frau“ anbot. Beim vorausgegangenen Telefongespräch mit der Hundebesitzerin erfuhr ich noch, dass die Bulldogge den wohlklingenden Namen „Sir Lanzelot“ trug und seine Besitzerin seit einigen Wochen anknurrte, wenn sie sich ihm näherte – dies allerdings geschah nur tagsüber im Geschäft.
Mit diesen Informationen ausgestattet, suchte ich den Laden der jungen Frau auf. Ich stand vor dem Geschäft, verglich den Namen mit der Adresse und trat ein. Allerdings ging ich sofort wieder rückwärts hinaus, um mich doch noch einmal zu versichern, dass ich im richtigen Geschäft war. „Accessoires für die Frau“ sollten hier verkauft werden und auch die Adresse war richtig. Also wagte ich den zweiten Versuch, trat erneut ein und betrachtete ein weiteres Mal die Dame, die mich hinter der Ladentheke in Empfang nehmen wollte. Und wieder kamen mir Zweifel, ob ich am richtigen Ort war. Ich schaute nämlich nicht in das Gesicht einer jungen Frau, sondern in eine riesige Fläche aus dunklem Glas mit einer noch riesigeren Umrandung aus Kunststoff. Ich dachte, ich sei in einem Kostümverleih für Alienkostüme oder in einem Versuchslabor, in dem Gasmasken für die Feuerwehr getestet wurden. „Kommen Sie doch herein, ich habe Sie schon erwartet“, hörte ich plötzlich eine freundliche Stimme, die aus dieser dunklen Maske aus Glas zu kommen schien. Und als sich meine Wahrnehmung nach dem optischen Schock wieder erholt hatte, konnte noch etwas anderes hören. Es schien, als würden hinter der Theke Handwerker arbeiten, die das Mobiliar zersägten …
Um Sie nicht weiter auf die Folter zu spannen: Ich war durchaus im richtigen Geschäft angelangt. Die Besitzerin trug eine riesige Sonnenbrille, die fast ihr gesamtes, recht zartes Gesicht verdeckte. Was durchaus bedauerlich war, denn es war sicherlich ein schönerer Anblick als diese Glasfront. Die Sägegeräusche hinter der Theke stammten übrigens von Sir Lanzelot, der dermaßen schnarchte, dass sich die Balken in dem mit Fachwerk ausgestatteten Laden im wahrsten Sinne bogen.
Wir begannen unser Gespräch, indem wir das Problem der Kundin, die meine Hilfe suchte, zunächst erörtern wollten. Ich erfuhr viel über die junge Dame, ihre Vorlieben und Eigenschaften sowie über ihren Hund. Auch Sir Lanzelot war ein Opfer ihrer Eigenschaften. Die spontane Frau hatte sich, ohne nachzudenken, eine Englische Bulldogge zugelegt, nachdem ihr ein solcher Hund in einem Fernsehbeitrag doch so gut gefallen hatte ...
Bulldoggen sind nach meiner Meinung charakterlich sehr gut als Begleithunde geeignet; sie sind zwar etwas stur, ansonsten ist das Potential an Verhaltensproblemen, oder das, was der Mensch dafür hält, doch als eher gering anzusehen. Trotzdem empfehle ich diese Rasse nie. Heute zwar auf sanften Charakter gezüchtet, sind Bulldoggen für mich persönlich ganz arme Geschöpfe. Das fängt schon bei ihrer Geburt an, die meist durch eine Operation erfolgt. Bei Bulldoggen sind nämlich die Köpfe so groß gezüchtet, dass diese den Geburtskanal der Mutter nicht passieren können. So werden die Welpen durch einen medizinischen Eingriff geboren, während die Mutter in Narkose liegt, was sich laut einiger Experten auch negativ auf die Bindung zwischen Muttertier und Welpe auswirkt. Zudem haben Bulldoggen eine sehr empfindliche Gesundheit – Haut- und Atemwegsprobleme, Herzkrankheiten und Anomalien an den Augenlidern sind keine Seltenheit. Und das alles nur, um menschlichen Modeansprüchen gerecht zu werden.
Doch zurück zu Sir Lanzelot, der hinter der Theke seines Frauchens lag und – infolge seiner Atemwegsprobleme – schnarchte. Seine Besitzerin schilderte mir die Probleme, die sie mit ihrem Hund hatte. Sie erzählte mir, dass Lanzelot, wie sie ihn nannte, eigentlich der liebste, friedlichste und tollste Hund der Welt wäre (Hundehalter idealisieren ihre Hunde gern), der sich aber seit einigen Wochen verändert hätte. „Immer, wenn ich mich ihm nähere, knurrt er mich an. Egal ob ich ihn streicheln will oder ihm am Abend die Leine anlegen möchte, er knurrt“, sagte die Frau, die mir mit ihrer riesigen Sonnenbrille gegenübersaß, sodass es mir unmöglich war, ihre Augen zu erkennen. Irgendwie machte mir dieses Gegenüber ein wenig Angst. Ich schaute in eine Maske aus Glas und konnte keinerlei Mimik oder Augenbewegung der Frau wahrnehmen – was in mir auch schon eine Vermutung bezüglich des Verhaltens von Sir Lanzelot aufkeimen ließ. Im Laufe des Gesprächs erfuhr ich, dass die junge Frau seit einigen Wochen einen Exklusivvertrag für den Vertrieb eines bestimmten Produktes hatte. Sie werden erahnen können, um welches Produkt es sich hier handelte. Richtig: Sie hatte einen Vertrag mit dem Hersteller dieser absolut hässlichen, aber „modernen“ Sonnenbrillen. Und seit sie diesen Vertrag hatte, stand sie jeden Tag mit eben einem solchen Glasmonster in ihrem Geschäft. Mit einer Sonnenbrille von Toilettendeckelgröße, tagtäglich und in einem geschlossenen Raum.
Sicher werden sich viele Leser jetzt fragen, warum die Frau nicht einfach die Sonnenbrille ablegte, wenn sie sich ihrem Hund näherte. Denn – da bin ich ganz ehrlich – um dieses Problem zu erkennen, muss man kein Hundepsychologe oder Hundetrainer sein. Wie bereits erwähnt, hatte ich, als ich der Frau gegenüber saß, auch ein komisches Gefühl, weil ich ihre Mimik und ihre Augen nicht erkennen konnte. Es ist für Lebewesen wichtig, ihr Gegenüber einschätzen zu können, und ein wichtiger Faktor in der Einschätzung sind nun einmal die Augen. Werde ich offensiv angestarrt, ist der andere selbstsicher, wendet er seinen Blick beschwichtigend ab oder zeigen mir die Augen eine gewisse Unsicherheit? Augen sind ganz wichtige Kommunikationsmerkmale, das ist absolut artübergreifend bei Säugetieren. Sir Lanzelot konnte sein Frauchen durch die Brille auch nicht mehr einschätzen und teilte ihr bei jeder Annäherung mit, dass er unter diesen Bedingungen keine Kontaktaufnahme wünschte. Er benutzte dabei die Sprache, die ein Hund spricht: Er knurrte. Lanzelot war also psychisch vollkommen in Ordnung – ich habe wirklich selten so einfache Fälle, bei denen es glasklar auf der Hand liegt, dass der Mensch der Problemverursacher ist.
Als ich der jungen Frau zu vermitteln versuchte, dass einzig und allein ihre Sonnenbrille der Grund für das Knurren ihrer Bulldogge sei, schaute sie mich entsetzt an und sagte allen Ernstes: „Ja, aber ich habe ihm doch erklärt, dass ich tagsüber diese Brille tragen muss – schließlich finanziere ich ihm doch sein Futter mit dem Verkauf dieser Brillen!“
Ich denke, hier brauche ich nichts weiter zu erläutern. Das Verständnis der Hundehalterin bewegte sich im Minusbereich. Sie war tatsächlich der Ansicht, dass ihr Hund den Sinn ihrer Sätze verstehen könne. Ich möchte an dieser Stelle niemanden enttäuschen, aber Hunde können abstrakte Sätze nicht verstehen. Sie können einzelne Worte „heraushören“ („Lass uns mal GASSI gehen!“) oder Wortketten als eine Aussage mit immer gleicher Bedeutung verknüpfen („Holst du mal den Ball?“). Doch Äußerungen mit wechselndem Inhalt  begreifen Hund nicht. Brauchen sie auch nicht, sie kommunizieren auf andere Art und Weise, und das nicht schlecht. Während der „sprechende Mensch“ in seiner jetzigen Form vielleicht 100.000 Jahre auf der Erde lebt, gibt es Hunde bzw. ihre Vorfahren, die Wölfe, seit ca. 5 Millionen Jahren auf diesem Planeten. Da müssen wir Menschen erst einmal hinkommen …
Aber zurück zum Thema, zu Sir Lanzelot und seinem Frauchen, dem lebenden Werbeständer für toilettendeckelgroße Sonnenbrillen. Nach einigen  Erläuterungen konnte ich die Dame dazu bewegen, die Brille abzusetzen – und wie ich vermutet hatte, der Anblick war ohne Brille wesentlich erfreulicher. Augenscheinlich auch für Sir Lanzelot. Als ich sie bat, sich ihrem Hund zu nähern, knurrte dieser nämlich nicht mehr. Erst als sie die Brille wieder aufsetzte, begann er erneut, sein Unbehagen auszudrücken.
Das Problem, was eigentlich keins war, wurde hier sehr schnell gelöst. Heute trägt die Dame zwar weiterhin die Sonnenbrille in ihrem Geschäft, so wie es ihr Vertrag vorsieht, aber wenn sie sich ihrem Hund nähert, ihn streicheln oder anleinen will, legt sie die Brille ab und die Welt ist in Ordnung. Sir Lanzelot braucht sich nicht vor der Maske des Grauens zu fürchten und seine Besitzerin versteht jetzt endlich, dass ein Hund, der knurrt, nicht böse ist, sondern nur spricht. Lanzelots Knurren, was durch einen Menschen verursacht wurde, konnten wir schnell „abstellen“. Sein Schnarchen, ebenfalls durch Menschen verursacht, können wir nicht so einfach beseitigen. Sonnenbrillen kann man absetzen, Atemwegsprobleme hat der Hund sein Leben lang.
Zeichnung von Falk Holzapfel, alias Zapf, der das gesamte Buch illustriert hat.


Montag, 11. Juli 2011

Mein Hund, mein Partner?

Es gibt sehr viele Sprüche oder Phrasen, die sich auf Hunde beziehen, bzw. auf den Umgang von Menschen mit Ihren Hunden. In jüngerer Zeit wird, nach meinem subjektiven Empfinden, häufig von der Partnerschaft von Menschen und Hunden gesprochen. Gern wird dabei die Feststellung getroffen, dass Menschen Hunde zwar als Teil ihrer sozialen Umwelt ansehen können, eine Partnerschaft sollte man der Mensch/Hundbeziehung aber nicht zugestehen. Auffällig ist dabei, dass solche Aussagen gerne von „Hundeexperten“ getroffen werden, die bei der Hundeerziehung auch vor aversiven, vor unangenehmen bis schmerzhaften Methoden, nicht zurückschrecken. Das ist wieder mein subjektiver Eindruck, der sich allerdings auf die beruflich bedingten Erfahrungen mit unzähligen „Hundeexperten“, deren „Methoden“ und Aussagen stützt. Je weniger ein Hundetrainer also bereit ist, einen Hund als Partner zu sehen, je mehr scheint er bereit zu sein, einen Hund mit „unfreundlichen Mitteln“ zu „trainieren“ – nach meinem ganz persönlichen Eindruck und Erfahrungswert. Ich sage nicht, dass dies pauschal behauptet werden kann.

Um uns der Frage etwas anzunähern, ob Hunde nun als Partner des Menschen angesehen werden können, sollten wir uns vielleicht erst einmal vor Augen führen, was es bedeutet, ein Partner zu sein. Partnerschaft ist letztlich nichts anderes als eine Beziehung zwischen Lebewesen, die eine dauerhafte Interaktion miteinander pflegen. Eine Interaktion wiederum  ist ein wechselseitiges Einwirken von Lebewesen und somit ein Teil der Kommunikation.
Ein kleines Beispiel: Meine Hündin Kela hatte ein besonderes Talent darin, sich unangenehme Dinge zwischen ihren Zehen einzufangen. Mit schöner Regelmäßigkeit steckte ihr ein Rosendorn oder ähnliches in der Pfote. Sie humpelte dann jedes Mal direkt zu mir und streckte die betroffene Pfote aus. Übrigens auch wenn es eine Hinterpfote war – die hielt sie mir dann hin, wie ein Pferd seinen Huf zum auskratzen. Ich verstand es immer sofort und befreite sie von ihrem Missgeschick. Was sich dort zwischen uns abspielte, war eine Kommunikation, eine Interaktion. Wir verstanden uns, weil wir uns gut kannten, wussten wie der jeweils andere auf die Interaktion, Kommunikation, reagiert. Wir befanden uns in einer sozialen Beziehung, einer Partnerschaft. Schlicht und ergreifend Partner, mit sehr vertrauter, dauernder sozialer Interaktion. Wortklauberei? Sicher… aber diejenigen, die behaupten, dass man Hunde nicht als Partner sehen sollte, setzen das Wort häufig sehr gezielt ein. Um eine emotionale Distanz zu erzeugen, die es vereinfacht Hunde mit unangenehmen Erziehungsmitteln zu konfrontieren. Objektiv erwähne ich an dieser Stelle, dass dies mein subjektiver Eindruck ist…
Faktisch gesehen kann man also ohne Probleme davon sprechen, dass Hunde unsere Partner innerhalb unserer sozialen Beziehung sind. Interaktion und Kommunikation gehören zu einer Partnerschaft, aber eine gute Partnerschaft umfasst weitere Aspekte. In einer funktionierenden sozialen Gemeinschaft sollte es selbstverständlich sein, dass alle Individuen das Recht darauf haben, eigene Bedürfnisse zu haben und zu leben. Und nicht nur ein Lebewesen dazu da ist, die Bedürfnisse des anderen zu befriedigen. Wenn ein Mensch einen Hund zum Beispiel nur hält, damit sich der Mensch besser fühlt, damit der Mensch mehr Bewegung bekommt, damit der Mensch „den Boss“ spielen kann, damit der Hund Arbeiten für den Menschen erledigen soll oder als „Sportgerät“ ausgenutzt wird, dann ist das eine recht einseitige Partnerschaft. Aber immer noch eine Partnerschaft, auch wenn wir die Form der Partnerschaft doch in vielen Fällen überdenken sollten und nicht nur das „ich“ in den Vordergrund stellen. Nicht nur „ich“ möchte einen Hund, „ich“ muss mich mehr bewegen, „ich“ möchte mit meinem Hund Sport treiben, „ich“ möchte das der Hund funktioniert und gut erzogen ist – damit „ich“ keinen Ärger mit den Nachbarn bekomme…
In einer guten Partnerschaft sollten wir auch an den Partner denken. Das was er möchte, muss uns auch wichtig sein, sonst sind wir ein denkbar schlechter Partner.
Aber das nur am Rande, letztlich ging es hier ja um die Frage, ob ein Hund unser Partner ist, weil viele Hundetrainer dies kategorisch verneinen, ja als Philosophie sehen, um den Hund herabzuwürdigen und ihn ggf. mit unangenehmen Mitteln konfrontieren zu können. Nicht nur aufgrund der Definition des Wortes Partner, sondern auch aufgrund meiner emotionalen Nähe zu Hunden – die ich niemals herabwürdigen würde, nur um sie mit aversiven Handlungen konfrontieren zu können. An dieser Stelle werden wieder einige der „Experten“ die Nase rümpfen, weil sie eine emotionale Beziehung zum Hund als kritisch ansehen – weil Emotionen in der Hundeerziehung angeblich schädlich sein können. Das sehe ich komplett anders, weil Emotionen etwas grundlegend Wichtiges in einer Partnerschaft sind – man freut sich aufeinander, man fühlt sich wohl in der Gesellschaft des Anderen, man ist bereit, sich gegenseitig zu schützen – alles Bestandteile einer funktionierenden sozialen Beziehung, einer Partnerschaft. „Hundeexperten“, die der Mensch/Hundbeziehung eine Partnerschaft absprechen, sind für mich nicht auf der Höhe der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse bezüglich sozialer Beziehungen. Vielleicht sollten solche Hundetrainer besser mit Stoffhunden arbeiten – die sind nämlich definitiv keine Partner, weil sie zu sozialer Interaktion nicht fähig sind.
Ganz im Gegensatz zu meinen eigenen Hunden. Die sind nicht nur meine Partner, die sind sogar meine Freunde…
Meine Freunde Puzzel und Koka 

Freitag, 1. Juli 2011

Frei entscheidende Hunde – Frage 2

Zunächst möchte ich mich für die Teilnahme im ersten Teil dieser Recherche-Umfrage bedanken, wo es darum ging, worüber Hunde frei entscheiden dürfen. Die Umfrage bzw. Sammlung von Antworten und Daten geht hier natürlich weiter: Frei entscheidende Hunde...

Hier möchte ich jetzt in dem Zusammenhang und als Grundlage für die spätere Veröffentlichung folgende Frage stellen:
Was erlauben Sie Ihrem Hund grundsätzlich nicht?
Es wäre schön, wenn Sie dabei wirklich alles berücksichtigen, was Ihr Hund nicht darf.
Als Beispiel:

-          Hund darf nicht auf das Sofa

-          Hund darf nicht buddeln

-          Hund darf niemanden anspringen

-          etc.

Ich bin erneut gespannt und würde mich über Ihre Unterstützung über die Kommentarfunktion freuen.

Übrigens: Selbstverständlich wird ein Artikel, der im Zusammenhang mit den beiden Umfragen steht, in diesem BLOG veröffentlicht.


Hund, Leine, Fahrrad und Geschwindigkeit. Gute Beschäftigung oder dumme Idee?

Da war sie wieder. Diese Szene die ich schon „ich weiß nicht wie oft“ gesehen habe. Und über die ich mich jedes Mal nicht nur ärgere. Nein, ...